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September 2009

Richeza, die polnische Königin aus dem Rheinland

Die jüngste, zweisprachige Veröffentlichung des Vereins für Geschichte e.V. Pulheim wendet sich hauptsächlich an junge Leser. Erzählt wird – in deutscher und polnischer Sprache – die Lebensgeschichte der jungen Rheinländerin Richeza. Sie entstammte der lothringischen Pfalzgrafenfamilie, die die Abtei Brauweiler gründete. Auf der Tomburg bei Rheinbach wurde sie geboren.
Der deutsche Text, verfasst von der Pulheimer Grundschullehrerin Annegret Schreiner, wurde von Grazina Prawda, der Frau des polnischen Botschafters in Berlin, übersetzt.







Annegret Schreiner:
Richeza / Rycheza. Die polnische Königin aus dem Rheinland.
Ein Buch für junge Leser
Królowa Polski rodem z Nadrenii.
Ksiazka dla mlodego czytelnika


Übersetzung: Grazina Prawda
31. Sonderveröffentlichung des Vereins für Geschichte e.V., Pulheim 2009
40 Seiten, 25 farbige Abb., Hardcover
ISBN: 978-3-927765-47-4, Preis: 3,50 €


Durch ihren Onkel, den fränkisch-deutschen Kaiser Otto III., wurde Richeza im Kindesalter mit Mieszko, dem Sohn des Polenherzogs Boleslaw, verlobt und später verheiratet. Kaiser Otto III. und Herzog Boleslaw schlossen damals ein Freundschaftsbündnis. Richeza wurde bald nach ihrer Heirat die erste Königin von Polen. Ihr Grab befindet sich im Kölner Dom.
In unserer Zeit erinnern sich die Menschen in Deutschland und Polen wieder an diese polnische Königin aus dem Rheinland. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges wird Richeza in Polen und Deutschland als ein Symbol der Freundschaft beider Völker gesehen.
Das 40-seitige Buch ist mit 25 farbigen Bildern anschaulich illustriert. Es lässt sich gut im Unterricht an Grundschulen einsetzen.
Finanziell unterstützt wurde die Drucklegung durch die NRW-Stiftung in Düsseldorf und die Stiftung Deutsch-Polnische Zusammenarbeit in Warschau.
Das Buch kann im Buchhandel und bei der Geschäftsstelle des Vereins für Geschichte (Tel.: 02234-82567) bestellt werden. Im Ordner BUCHBESTELLUNG auf dieser Homepage finden Sie einen entsprechenden Bestellschein.





(9/22/09)

Gestapogräber auf dem Brauweiler Friedhof

Seit November 2008 erinnert in Brauweiler eine vom LVR eingerichtete Gedenkstätte an die Verbrechen, die durch Gestapokommandos, die in der Arbeitsanstalt Brauweiler stationiert waren, vor allem in den Jahren 1944 und 1945 begangen wurden. Zahlreiche Opfer wurden nach Misshandlungen in Brauweiler zur Hinrichtung nach Köln überstellt. Andere wurden in Brauweiler selbst umgebracht oder nahmen sich hier in ihrer Verzweiflung das Leben. Sie wurden auf dem Brauweiler Friedhof beerdigt.
Auf Anregung des Vereins für Geschichte hat in diesen Tagen die Stadt Pulheim das Gräberfeld der Gestapoopfer durch eine Hinweistafel kenntlich gemacht.



Gestapo-Gräberfeld auf dem Brauweiler Friedhof





Hinweistafel


Zusätzlich hat man auf den zehn erhaltenen Grabsteinen kleine persönliche Informationsschildchen angebracht, die genauere Auskünfte geben und zum Teil fehlerhafte Angaben auf den Grabsteinen selbst korrigieren..



Grabstein für die junge Polin Maria Kristowa


Die individuellen Hinweistäfelchen haben folgenden Wortlaut:



MARIA KRISTOWA
* 21.4.1921 in Lublin † 12.10.1944 in Brauweiler
Polnische Zwangsarbeiterin
Nach schlimmen Misshandlungen durch die Gestapo
nahm sie sich in ihrer Haftzelle das Leben.


WILLY TOLLMANN
* 19.10.1907 † 3.12.1944 in Brauweiler
Führendes Mitglied der Kölner Widerstandsgruppe
„Volksfrontkomitee Freies Deutschland“.
Er starb nach schweren Verletzungen bei der Festnahme
und schlimmen Misshandlungen durch die Gestapo.


ENGELBERT BRINKER
* 16.11.1889 † 13.12.1944 in Brauweiler
Führendes Mitglied der Kölner Widerstandsgruppe
„Volksfrontkomitee Freies Deutschland“.
Er erlag seinen Verletzungen infolge schwerer Misshandlungen
durch die Gestapo.


FRITZ KRÄMER
* 30.07.1896 † 23.11.1944 in Brauweiler
Er war mit einer Jüdin verheiratet.
Durch einen Gestapobeamten
wurde er in seiner Haftzelle erschossen.


LAMBERT JANSEN
* 13.5.1899 † 11.10.1944 in Brauweiler
Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands
Er hat sich in seiner Zelle erhängt.


ELISABETH JANSEN
* 20.4.1903 † 6.11.1944 in Brauweiler
Nach dem Tod ihres Mannes Lambert Jansen
erhängte sie sich in ihrer Haftzelle.


„NASARTSCHOK, JAKOW“
Osteuropäischer Zwangsarbeiter
Nähere Informationen fehlen.


„Russischer Bürger, Name unbekannt“
vermutlich IWAN TROFINOW
* 2.8.1918 in Orel † 30.11.1944 in Brauweiler
Russischer Zwangsarbeiter
Nach schlimmen Misshandlungen wurde er von einem Brauweiler
Gestapobeamten in der Kiesgrube der Arbeitsanstalt erschossen.


„Russische Bürgerin, Name unbekannt“
vermutlich NINA SAWINA
* 21.9.1923 in Stalino † 14.2.1945 in Brauweiler
Ukrainische Zwangsarbeiterin
Sie wurde von Brauweiler Gestapobeamten an der Donatusstraße erschossen.


„Russische Bürgerin, Name unbekannt“
vermutlich VERA SUCHOWERKOWA
* 12.5.1925 in Dmitrewsk † 14.2.1945 in Brauweiler
Ukrainische Zwangsarbeiterin
Sie wurde von Brauweiler Gestapobeamten an der Donatusstraße erschossen.


Es ist sehr zu begrüßen, dass die Stadt Pulheim in angemessener Weise auf einen wichtigen Ort des Gedenkens im Stadtgebiet und auf das Schicksal einzelner Opfer nationalsozialistischer Gewalt hinweist.
Wer sich genauer mit den historischen Hintergründen beschäftigen will, sei auf folgende Publikation hingewiesen:



Hermann Daners / Josef Wißkirchen
WAS IN BRAUWEILER GESCHAH
Die NS-Zeit und ihre Folgen
in der Rheinischen Provinzial-Arbeitsanstalt
Pulheim 2006, 9,80 €



Das Buch kann über den Buchhandel oder über den Verein für Geschichte bezogen werden. Einen entsprechenden Bücherbestellschein finden Sie auf dieser Homepage im Ordner „Buchbestellung“.


JW



(9/10/09)

Altar der Stommelner Krankenhauskapelle in Rieden/Eifel

Der hölzerne Altarkasten aus der 1908 eingerichteten Krankenhauskapelle in Stommeln schien nicht mehr zu existieren, jetzt aber ist er aufgetaucht: in der Taufkapelle der Kirche in Rieden bei Maria Laach in der Eifel. Der Ort gehört heute zur Verbandsgemeinde Mendig im Landkreis Mayen-Koblenz. Der Stommelner Küster Peter Steger brachte Fotos von einer Reise dorthin mit und erzählte die Hintergründe.



Hölzerner Altarkasten aus dem Stommelner Krankenhaus in der Pfarrkirche St. Hubertus in Rieden


Nachdem die italienischen Patres der Comunità Pavoniana 1968 in das inzwischen aufgegebene Krankenhaus eingezogen waren, richteten sie sich Anfang der 1980er Jahre eine neue, größere Kapelle für das von ihnen betriebene Internat ein. Für den Altartkasten hatten sie keine Verwendung, und deshalb baten sie Herrn Steger, ihn abzuholen und zu entsorgen. Dem aber widerstrebte es, den Altar einfach zu verbrennen. Künstlerisch wertvoll war er zwar nicht, aber handwerklich doch schön gearbeitet und auch ein Stück Stommelner Geschichte. Also verwahrte er den Altarkasten in seinem Schuppen, und dort sahen ihn in Stommeln beschäftigte Steinmetze aus Rieden und erbaten ihn sich für die Pfarrkirche St. Hubertus in ihrem Heimatort. Dort steht er nun in der Taufkapelle und wird in Ehren gehalten. Die Initialen „SM“ im Mittelfeld der Frontseite (Sancta Maria) erinnern an die Herkunft aus dem Stommelner Krankenhaus „Maria Hilf“.



St. Hubertus in Rieden


Aus dem unten abgebildeten alten Foto aus der Krankenhauskapelle erkennt man ihn wieder. Das Tabernakel, das auf dem Altar steht, ist übrigens in Stommeln erhalten. Es befindet sich in einem Nebenraum der neuen Kapelle im ehemaligen Stommelner Krankenhaus und dient dort als Panzerschrank.



Ehemalige Stommelner Krankenhauskapelle


Eine Stele vor der Kirche in Rieden weist darauf hin, das hier im Zehnjahresrhythmus Passionsspiele stattfinden, die nächsten wieder 2015.



Stele mit Reliefdarstellungen und Jahreszahlen der Passionsspiele in Rieden


JW



(9/10/09)

Der Westwall: Geschichte und Mythos

Die Nazis verglichen ihn mit der Chinesischen Mauer, in den Erzählungen mancher Achtzigjähriger lebt er als Jugenderinnerung an die Abkommandierung zum „Schanzen“, Jüngere haben das Hunderte Kilometer lange System von Bunkern und unterirdischen Gängen in den letzten Jahren als touristisches Ziel entdeckt: der „Westwall“.
Welche Geschichte hat dieses Bauwerk mit seiner grandiosen Verschwendung von Beton? Welche Rolle hat es im Krieg gespielt? Und wie gehen wir mit diesem Überbleibsel der Nazidiktatur heute um?
In einem Lichtbildervortrag soll dieser Frage nachgegangen werden:


Dr. Karola Fings und Frank Möller

Der Westwall:
Geschichte und Mythos eines nationalsozialistischen Großprojekts

Mittwoch, 9. September 2009
Pulheim, Kultur- und Medienzentrum (Kleiner Saal),
Steinstraße 13–17


Falsche Mythen vernebeln den politischen Blick – und die Überreste des Westwalls haben das Zeug in sich, falsche Mythenbilder von angeblich grandiosen Nazitaten zu erzeugen.



Westwallmuseum Bad Bergzabern


Die beiden Referenten – Dr. Karola Fings (NS-Dokumentationszentrums Köln) und Frank Möller (Gesellschaft für interdisziplinäre Praxis, Köln) – sind mit der Materie bestens vertraut und werden anhand aktuellen Bildmaterials über die Geschichte und militärische Sinnlosigkeit des Bauwerks, zugleich aber auch über bedenkliche Fehlentwicklungen im Umgang mit dieser NS-Hinterlassenschaft informieren – damit sie nicht als Staffage für Waffensammlungen und Kriegsverherrlichung verkommt.


JW

(9/01/09)




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