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  | Amerika-Auswanderer aus Stommeln |
Vortrag von Josef Wißkirchen am 14. Juli im Martinusheim in Stommeln (Haus Schauff, Ortsmitte), 20.00 Uhr „New Stommeln“ – so hatte eine Gruppe von Auswanderern aus Stommeln 1856/57 den von ihnen neu gegründeten Ort 50 km östlich von LaCrosse am Mississippi im US-Staat Wisconsin genannt. Aber dann gaben sie ihm nach der von ihnen errichteten Marienkirche den Namen St. Mary’s Ridge. Heute gehört dieser Ort zur Gemeinde Cashton.

Orientierungskarte für St. Mary’s Ridge. Der Schmetterling weist den Weg.
Wer sich im Internet darüber informieren will und sich auf die Spur der Stommelner Amerika-Auswanderer des 19. Jahrhunderts begeben will, kann unter der Adresse http://www.stmarysridge.org/history.asp fündig werden. In den hundert Jahren zwischen 1820 und 1920 wanderten etwa sechs Millionen Deutsche nach Amerika aus und bildeten dort nach den Iren die stärkste Einwanderergruppe. Unter ihnen waren auch etwa 200 Stommelner. Im 19. Jahrhundert, in dem die Auswanderung aus Deutschland ein Massenphänomen war, gingen nicht wie heute die gut Ausgebildeten und deshalb Chancenreichen in die USA, sondern die chancenlosen Armen. Die Auswanderer im 19. Jahrhundert gehörten fast durchweg zur Unter- und unteren Mittelschicht. In den Dörfern, wo die meisten von ihnen herkamen, waren es die Tagelöhner, die kleinen Ackerer mit nur unbedeutendem Landbesitz (und oft großen Familien) und die ländlichen Handwerker, die neben ihrem Gewerbe noch eine kleine Landwirtschaft betrieben.

Arnold Schieffer und Winand Müllenberg, zwei der Stommelner Gründungsväter von St. Mary’s Ridge
Hauptgrund der wachsenden Not dieser Menschen war die Bevölkerungsexplosion, mit der die Industrialisierung zunächst nicht Schritt hielt, so daß die bäuerlichen Nachkommen unter immer drückenderer Landnot litten. Die Zahl der überlebenden Kinder stieg dramatisch, aber die Ausdehnung der Ackerfläche durch Melioration hielt damit bei weitem nicht Schritt. Die Familien wurden größer, die Äcker aber nicht. Vielen dieser Menschen, denen das Denken in biblischen Bildmustern vertraut war, erschien Amerika als das verheißene Land, wo sie sich mit Gottes Hilfe eine neue Welt aufbauen wollten. Hier erhofften sie sich, was die Heimat nicht zu bieten hatte: billiges Land im Überfluß, gut bezahlte Arbeit, aber auch Freiheit und Toleranz.

1878 in St. Mary’s Ridge errichtetes Blockhaus der Familie Adam Brüggen aus Stommeln
Der Vortrag von Josef Wißkirchen wird einen Einblick geben in die Beweggründe und Umstände der Stommelner Auswanderungswelle seit 1856 und berichten über die Schwierigkeiten des Anfangs in der neuen Heimat in Wisconsin.
(7/01/04)
  | Reise zum "Stapel der Christenheit" |
Auf einer dreitägigen Studienfahrt besuchten 34 Mitglieder und Freunde des Vereins für Geschichte e.V. unter der Leitung von Frau Dr. Mechthild Isenmann die Städte Brügge und Gent. Besonders Brügge vermittelte den Reiseteilnehmern durch sein mittelalterliches Stadtbild den anschaulichen Eindruck eines ehemaligen Handels- und Kaufmannszentrum im heutigen Flandern. Aus gutem Grund wurde die Stadt als „Stapel der Christenheit“ bezeichnet.

Grachtenfahrt in Brügge Durch das Zwingebiet mit der Nordsee verbunden, konnte die Stadt sich zu einem der bedeutendsten Handelsplätze und größten Städte im Norden Europas entwickeln. Bis heute haben sich Handelskontore italienischer, spanischer, englischer, französischer und burgundischer Kaufleute erhalten. Mit dem Brügger Hafen waren die Kontore durch Kanäle verbunden. Eine Rundfahrt auf diesen heute noch befahrbaren Kanälen – den Grachten – ließ die mittelalterliche Geschichte der Handelsstadt in besonderer Weise lebendig werden. Zu den Höhepunkten der Studienfahrt gehörte der Besuch im Rathaus mit seinem prachtvollen Ratssaal mit Holzgewölbe von 1402 und historistischen Wandgemälden.

Im Saal des Brügger Rathauses Nicht minder beeindruckend war der Besuch der Liebfrauenkirche mit der Grablege Karls des Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund. Besondere Beachtung fand ein besonderes Ausstattungsstück der Kirche, die Madonna mit Kind, die Michelangelo aus weißem Marmor geschaffen hat. Als bedeutende Kunststadt erwies sich Brügge beim Besuch des Groeninge-Museums und des Memling-Museums im ehemaligen Sint-Jans-Spital. Gemälde von Jan van Eyck und Jan Memling zogen die Besucher in ihren Bann, zumal Frau Dr. Isenmann es hervorragend verstand, ausgewählte Gemälde beider Künstler spannend zu erläutern.

Im Innenhof des Sint-Jans-Spitals in Brügge Eine Welt der Stille und Besinnlichkeit, fernab der Betriebsamkeit der lebendigen Handelsstadt, lernte die Reisegruppe im Beginenhof von Brügge kennen. Umflossen vom Minnewater, einem besonders schönen Abzweig der Grachten, konnten die Besucher unter den anschaulichen Erläuterungen der Historikerin Dr. Mechthild Isenmann eine andere Welt des Mittelalters nachempfinden.

Im Beginenhof zu Brügge Der dritte Tag der Reise war der Stadt Gent gewidmet. Die Stadt einst Hauptsitz der Grafen von Flandern entwickelte sich durch den Bau von Kanälen zur Schelde und nach Brügge zu einem Handels- und Kaufmannszentrum. Die Kaufmannshäuser an der Korenlei und der Graslei, dem mittelalterlichen Binnenhafen der Stadt, beeindruckten die Besucher ebenso wie die Fleischhallen. Zum Höhepunkt wurde jedoch der Besuch des Genter Altares in der St.-Bavo-Kathedrale, den der Maler Jan von Eyck geschaffen hat. Er ist ein Hauptwerk der flämischen Malerei aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

In Gent an der Korenlei mit alten Kaufmannshäusern Waren die Führungen und Besichtigungen während der Tage auch anstrengend, so genossen die Reiseteilnehmer jedoch an den beiden Abenden gemeinsam die flämische Küche in zwei mittelalterlichen Brügger Restaurants. Sie boten einen verdienten Ausgleich zu den vielen Eindrücken, die während des Tages bei den Führungen und Besichtigungen jeder erleben konnte. Peter Schreiner, Vorsitzender
(7/01/04)
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