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  | Gedenkort Brauweiler Friedhof |
Seit November 2008 gibt es in Pulheim-Brauweiler eine Gedenkstätte des Landschaftsverbandes Rheinland, die an die Verbrechen erinnert, die hier innerhalb der Arbeitsanstalt Brauweiler von den Nationalsozialisten und insbesondere von der hier stationierten Kölner Gestapo begangen wurden. Die Schulen in der Stadt Pulheim haben diesen authentischen Lernort inzwischen für sich entdeckt und nutzen ihn für Besuche und schulische Projekte. Josef Wißkirchen, zusammen mit Hermann Daners Initiator dieser Gedenkstätte, erarbeitet zurzeit eine neue Publikation, die sich mit dem Brauweiler Friedhof als einem zweiten Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des dadurch verursachten Krieges beschäftigen wird. Im Herbst dieses Jahres soll die kleine Schrift erscheinen; sie will dem Besucher des Friedhofes helfen, den Spuren der NS-Vergangenheit in Brauweiler nachzugehen.

In einem eigenen Gräberfeld liegen auf dem Friedhof die Opfer der Gestapo, die in Brauweiler zu Tode gequält, in den Selbstmord getrieben oder willkürlich erschossen wurden. Mehrere osteuropäische Zwangsarbeiter, alle in jugendlichem Alter, fanden in Brauweiler den Tod, zuletzt drei Litauer, die am letzten Kriegstag, dem 3. März 1945, durch Artilleriebeschuss getötet wurden. Die Publikation wird helfen, die kaum noch entzifferbaren kyrillischen Inschriften auf den kleinen Grabsteinen zu lesen und einzelnen Lebensschicksalen zuzuordnen. Auch die drei Geschwister Scheer aus Dansweiler, die noch im Februar 1945 wegen Wehrkraftzersetzung von der Brauweiler Gestapo verhaftet wurden und denen die Gestapo vor einem Sondergericht den Prozess machen wollte, liegen hier im Familiengrab. Ihr Überleben verdanken sie nur den Wirren der letzten Kriegstage und der Einsicht des Kölner Oberstaatsanwaltes, dass ein Todesurteil für ihn selbst bald eine schwere Last darstellen würde. In der Nachkriegsgeschichte des Ortes Dansweiler sind die Geschwister Scheer von herausragender Bedeutung.
 Beerdigung eines Brauweiler Gefallenen im Juli 1941, von den Nationalsozialisten zu dieser frühen Kriegszeit noch mit pompösem militärischem Aufmarsch als Heldenspektakel inszeniert
Zu den Opfern der NS-Zeit gehören auch die Kriegstoten, seien es die gefallenen Soldaten, seien es zivile Opfer kriegerischer Handlungen. An den Einzelschicksalen der Betroffenen, die auf einem eigenen Gräberfeld ruhen, ist ein breites Spektrum der Gefährdung menschlichen Lebens in den Kriegsjahren ablesbar. Schließlich findet sich auf dem Friedhof eine lange Gräberreihe von in Brauweiler verstorbenen – insbesondere polnischen – Displaced Persons, die bis November 1949 im hiesigen DP Camp auf eine Möglichkeit gewartet hatten, in ein Land ihrer Wahl auszuwandern. Im „Frauenhaus“ der Arbeitsanstalt wurde damals ein Krankenhaus mit Entbindungsstation eingerichtet. Viele der in Brauweiler unter schwierigsten Lebensumständen geborenen DP-Kinder starben sehr früh. Die Engelgestalten, die man auf ihren Grabsteinen findet, erinnern auf rührende Weise an die jüngsten Opfer des nationalsozialistischen Deutschlands.
 Grabstein eines polnischen DP-Kindes
Eine Bitte an den Leser: Besitzen Sie oder eine Ihnen bekannte Person Dokumente, Fotos oder Informationen, die bei der Erarbeitung der Publikation über den „Gedenkort Brauweiler Friedhof“ hilfreich sein können? Wenn ja, dann wenden Sie sich bitte an den Autor Josef Wißkirchen, Tel. 02238/14749, E-Mail nc-wisskijo@netcologne.de.
JW
(6/03/10)
  | Neuerscheinung über St. Kosmas und Damian in Pulheim |
Am 18. Mai 2010 wurde die jüngste Sonderveröffentlichung des Vereins für Geschichte e. V. vorgestellt:
Josef Wißkirchen St. Kosmas und Damian in Pulheim Baugeschichte und Ausstattung
128 S., 155 Abb., ISBN 978-3-927765-49-8; 9,80 €

Das Buch wendet sich zunächst an alle, die an der Geschichte des Ortes Pulheim interessiert sind. Akribisch analysiert der Autor die ersten Anfänge der Kirche St. Kosmas und Damian, die bis in die Gründungszeit des Ortes zurückreicht. Zugleich kann er dabei frühmittelalterliche Entwicklungslinien herausarbeiten, die auch von überörtlicher, allgemeiner Bedeutung sind. Zahlreiche Illustrationen – Fotos, Bauzeichnungen, 3D-Rekonstruktionen – veranschaulichen die verwickelte und vielschichtige Baugeschichte und gewähren zugleich Einblicke in das soziale Umfeld der jeweiligen Baumaßnahmen. Die zweite Hälfte des Buches verfolgt ein kunsthistorisches sowie kunst- und religionspädagogisches Ziel. Kunstwerke vom Anfang der 15. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts werden lückenlos in Bild und Text gewürdigt, in ihrer künstlerischen Gestaltung analysiert und in ihrem theologischen Gehalt gedeutet. Dieser Teil des Buches ist im besten Sinne eine Sehschule, die ästhetisches und theologisches Verständnis vermitteln will. Einen breiten Raum nehmen hierbei die bedeutenden Glas- und Wandmalereien von Hermann Gottfried ein.
 Wandmalerei von Hermann Gottfried: Kreuzigung
Der günstige Preis für das reich illustrierte und grafisch ansprechend gestaltete Buch war nur durch die Kooperation des Vereins für Geschichte mit der Pfarrgemeinde St. Kosmas und Damian möglich. Herausgeber und Autor hoffen, dass das Buch seine Leser findet.
JW
(6/03/10)
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