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April 2005

Kreuzweg von Johannes Bartscher in der Stommelner Pfarrkirche

Lichtbildervortrag von Ilka Meyer-Stork, Köln, am 20. April 2005, 20.00 Uhr
Ort: Martinushaus, Stommeln, Venloer Str. 546, 20:00 Uhr


Der Vortrag der Kölner Kunsthistorikerin ist Ertrag ihrer Pionierarbeit: sie hat als erste das umfangreiche Werk des Johannes Bartscher (1846–1921) erforscht, der in Oelde bei Münster eine große Malerwerkstatt betrieb.



Ilka Meyer-Stork


Nicht zuletzt sind zahlreiche, auf Kupferblech gemalte Kreuzwegstationen aus dieser Werkstatt überliefert. Besonders prächtige Stationstafeln hängen in der Stommelner Pfarrkirche St. Martinus. Sie entstanden 1905. Ein kleiner Kreuzwegzyklus des gleichen Typs befindet sich in der Agneskirche in Köln.



Stommelner Kreuzweg, Station 12


Die Stommelner Kreuzwegtafeln sind beachtliche Beispiele für die neogotische kirchliche Malkunst um 1900. Vorbild für sie waren die 1864/68 entstandenen Kreuzweggemälde von Louis Hendrix und Franz Vinck in der Kathedrale zu Antwerpen.



Kreuzweg in der Kathedrale zu Antwerpen, Station 12


Der Vortrag gibt Einblicke in die Arbeitsweise und Organisation der Werkstatt des Johannes Bartscher und stellt sie in Beziehung zum damaligen gesellschaftlichen, religiösen und künstlerischen Umfeld.
Die junge Referentin betritt mit ihrem Vortrag absolutes Neuland. Sie hat völlig neue Erkenntnisse von hoher kunstgeschichtlicher Aussagekraft über die Malerwerkstatt des Johannes Bartscher zusammengetragen.
JW

(4/07/05)

Schwarze Braut und Weißer Sonntag

Zum Weißen Sonntag, an dem die etwa zehnjährigen katholischen Kinder zum ersten Mal zur hl. Kommunion gehen, gehören im Rheinland die Mädchen in ihren langen weißen Kleidern. Die meisten Mädchen hängen an diesem Brauch, und ihre Eltern auch. Immer wieder aber hört man von den Bestrebungen Gutmeinender, statt des finanziellen Aufwandes und modischen Wetteifers um das schönste Kleid sich auf das Wesentliche, den Empfang der Eucharistie, zu konzentrieren und die modische Auszeichnung des Einzelnen zu ersetzen durch die gleiche weiße Albe für alle: Sie sei preiswert, lenke vom Wesentlichen nicht ab und unterstreiche zugleich den schönen Gedanken, daß vor Gott alle Menschen gleich sind.



Weißer Sonntag in Stommeln 1931: die Jungen im Matrosenlook und die Mädchen mit weißen Kleidern und Kränzen im Haar

Was heutzutage von kirchlichen Laiengremien ausgeht, deckt sich mit dem, was die Amtskirche bereits Ende des 19. Jahrhunderts forderte, als der Brauch noch jung war. In einem Erlaß des Kölner Generalvikariates vom 29. März 1890 heißt es: „Bei der Feier der ersten hl. Kommunion wird der äußeren Erscheinung, besonders der weiblichen Jugend, vielfach eine Sorge zugewendet, welche über die Verhältnisse vieler Eltern hinausgeht und geeignet ist, bei den Kindern den Ernst der Vorbereitung auf die hl. Handlung und die Andacht bei der Feier der hl. Kommunion selbst zu beeinträchtigen.“ Die Geistlichen werden aufgefordert, dem entgegenzuwirken und zur „Demut“ anzuhalten, „welche bei der hl. Kommunion die Grundstimmung des Christen sein muß“. „Ehrbare standesmäßige Kleidung“ wird verlangt, die in der Farbe keineswegs einheitlich sein müsse.



Kommunionpaar in Stommeln um 1960

Erfolgreich war die Amtskirche bei ihren Bemühungen offensichtlich nicht, weil ihr Denken an dem des Volkes vorbeiging – ähnlich wie heute die Forderung nach einer einheitlichen Albe für alle. Dem katholischen Volk ist es vertraut und angenehm, daß Mönche und Nonnen ihre einheitliche Tracht tragen als Ausdruck der Demut; keiner soll sich erheben gegenüber dem anderen. Aber diese tiefe Wahrheit der Gleichheit aller vor Gott ist nicht die einzige im Leben des Menschen, es gibt andere, die je nach Situation auch ihre Berechtigung haben.
Die Frage ist, ob der Tag der ersten heiligen Kommunion ein Tag ist, an dem der christliche Gleichheitsgedanke im Zentrum steht, oder ob es nicht doch ein besonderer Tag für jedes einzelne Kind ist, ein Hochfest für jedes von ihnen ganz persönlich. Auch dieser Blick ist legitim und auch christlich fundiert.

So sehen es die meisten, und deshalb stoßen Bestrebungen, eine für alle gleiche Albe als Kommunionkleid für Jungen und Mädchen, durchzusetzen, verbreitet auf Widerstand. Im vergangenen Jahr waren im Erftkreis in dieser Frage teilweise heftige Gefühlsausbrüche zu registrieren, die sich bis zu unschönen Streitereien hochschaukelten. Das macht deutlich, daß es hier nicht nur um eine Modefrage geht und nicht nur um ein mehr oder weniger schönes Stück Stoff.



Kommunionmädchen in Stommeln vor dem Ersten Weltkrieg

Auf Fotos vor dem Ersten Weltkrieg tragen die Kommunionmädchen kein weißes, sondern ein schwarzes Kleid. Offenbar heißt der Weiße Sonntag also nicht nach den weißen Kleidern der Mädchen so. Aber es wäre auch, so belegen die Fotos, ein vorschneller Trugschluß zu glauben, daß der Name des Tages die weißen Kleider der Mädchen angeregt habe. In der lateinischen Sprache der Kirche heißt der Tag zwar „dominica in albis“, aber mit der weißen „alba“ ist das Taufkleid gemeint, das die neuen Täuflinge in der frühen Kirche an diesem Sonntag („dominica“) zum letzten Mal trugen.
Mit der Feier der Erstkommunion hatte dieser Tag ursprünglich nichts zu tun. Die Erstkommunion war in der frühen Kirche überhaupt kein öffentlicher Festtag wie heute, sondern ein persönlicher bzw. familiärer. Es war Sache der Eltern zu entscheiden, wann ihr Kind zum ersten Mal zur Kommunion ging. Regional unterschiedlich, pendelte sich das Alter zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr ein. Erst das Konzil von Trient hat dann eine gemeinsame Vorbereitung und gemeinsame Erstkommunion in einer öffentlichen Feier festgelegt. Ostern hätte von der Sache her als Tag hierfür nahegelegen, aber dann wäre die Erstkommunionfeier an den Rand gedrängt worden von den Feierlichkeiten der österlichen Liturgie. Deshalb wich man auf den 1. Sonntag nach Ostern aus. 1661 wurde dieser Tag in München zum ersten Mal als Festtag der Erstkommunion gefeiert, es folgten Luzern 1673, Schlettstadt im Elsaß 1678. Erst seit dem 19. Jahrhundert wird der Weiße Sonntag allgemein als Erstkommuniontag begangen.



Brautpaar aus Köln, vor dem Ersten Weltkrieg

Das Kleid der Kommunionmädchen entspricht dem der Braut. Auch das Brautkleid war vor dem Ersten Weltkrieg schwarz. Das lange Kommunionkleid, ob schwarz oder weiß, zeichnet das Kommunionmädchen als Braut Christi aus.
JW




(4/01/05)

TOTENZETTELSAMMLUNG des VfG Pulheim jetzt online

Die von Josef Wißkirchen zusammengetragene Totenzettelsammlung des Vereins für Geschichte e.V. Pulheim ist am 31. März 2005 online gestellt worden. Die technische Realisation lag in den bewährten Händen von Daniel Linssen in Lohmar [mail@daniellinssen.de].
Viele Einzelpersonen haben von ihnen aufbewahrte Totenzettel für die bildliche und inhaltliche Erfassung kurzfristig zur Verfügung gestellt und damit die Sammlung ermöglicht. Die Namen sind jeweils bei den betreffenden Totenzetteln vermerkt.



Der älteste Totenzettel der Sammlung aus dem Jahr 1772


Weiterer Ausbau
Im Januar 2005 wurde mit der Digitalisierung begonnen. Ziel ist, die Totenzettelsammlung des VfG Pulheim zu einer großen rheinischen Sammlung auszubauen, die für Genealogen, Historiker, Kunsthistoriker, Volkskundler, Soziologen und Theologen wertvolle Informationen und thematische Anregungen bereithält.

Mitarbeit der Öffentlichkeit
Die Öffentlichkeit ist aufgerufen, den Ausbau der Sammlung zu unterstützen und Totenzettel im eigenen Besitz für kurze Zeit zur Bearbeitung zur Verfügung zu stellen.



Totenzettel für Konrad Adenauers 1916 gestorbene erste Frau

Sammelgebiet
Schwerpunkt der Sammlung sind der Pulheimer Raum und das angrenzende Umland: Köln, Hürth, Frechen, Bergheim, Rommerskirchen, Dormagen. Die verwandtschaftlichen Bezüge der in diesem Raum lebenden Familien strahlen jedoch aus in den gesamten rheinischen Raum und darüber hinaus. Die weit gestreute Provenienz der Einzelstücke ist Ausdruck der hohen Mobilität der im Kerngebiet dieser Sammlung lebenden Bevölkerung.

Kontakt
Josef Wißkirchen, Cäcilienstraße 2a, 50259 Pulheim-Stommeln
Tel. 02238/14749
E-Mail: josef.wisskirchen@vfg-pulheim.de
JW

(4/01/05)




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