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  | Brauweiler Gestapo-Verbrechen vor 64 Jahren |
„Die Ostarbeiterinnen Nina Sawina und Vera Suchowerkowa sind am 14.2.1945 in Brauweiler verstorben.“ Diesen Aktenvermerk tippte ein Brauweiler Gestapobeamter am Abend dieses Tages, nachdem er selbst unmittelbar vorher mit seiner Dienstpistole an der Exekution beteiligt gewesen war. Das doppelte Verbrechen geschah an der Donatusstraße in Brauweiler, dort, wo sich jetzt das Sportzentrum befindet. Nichts erinnert heute daran, dass hier gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zwei junge ukrainische Frauen, 21 und 19 Jahre alt, von zwei Gestapobeamten aus nächster Nähe getötet wurden. Mit einem Pkw hatte man sie aus dem Gestapogefängnis in der Arbeitsanstalt hierhin gebracht, hatte sie aussteigen lassen und dann hinterrücks erschossen.
 Nina Sawina, 21 Jahre alt
Nina Sawina war wegen einer intimen Beziehung zu einem Deutschen denunziert worden; das war in den Augen der Nazis „Rassenschande“ und galt als todeswürdig. Vera Suchowerkowa war durch die bloße Namensnennung bei einem Verhör in die Hände der Gestapo geraten. Der Brauweiler Totengräber war schon vorab zur Donatusstraße bestellt worden, um die Leichen auf seinem Wägelchen zum Brauweiler Friedhof zu bringen und dort zu begraben. Dort liegen sie bis heute. Die gleichlautenden kyrillischen Inschriften auf den Grabplatten nennen nicht einmal ihre Namen: „Russische Bürgerin, Name unbekannt“. Wer die Gräber aufsuchen will, hat Mühe, sie zu finden. Eine Hinweistafel fehlt. Genau 64 Jahre ist das in diesen Tagen her. Der Verein für Geschichte will am
Samstag, dem 14. Februar 2009, 15.00 Uhr an diese Verbrechen erinnern. Die Veranstaltung unter Leitung von Hermann Daners beginnt in der Gedenkstätte Brauweiler (im Keller des LVR-Bürohauses, Zugang vom Parkplatz im Abteipark aus). Anhand der hier vom Landschaftsverband Rheinland eingerichteten Dauerausstellung werden die geschichtlichen Zusammenhänge erläutert. Anschließend geht die Gruppe zum Ort der Exekution an der Donatusstraße. Hier wird zum Gedenken an die Opfer ein Auszug über den gerichtlich festgestellten Tathergang vorgetragen.JW
(2/12/09)
  | Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag in der Gedenkstätte Brauweiler |
Hundert Personen haben an zwei Gedenkveranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag, der an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, in der „Gedenkstätte Brauweiler“ teilgenommen. Am 26. Januar besuchte Hermann Daners mit einer Schülergruppe des Abteigymnasiums in Brauweiler die Ausstellungsräume im heutigen Bürogebäude des Landschaftsverbandes Rheinland, am 27. Januar 2009 leitete Josef Wißkirchen eine Abendveranstaltung.
 Schüler des Abteigymnasiums in der Gedenkstätte (Zusammenschnitt von zwei Fotos)
Die Arbeitsanstalt Brauweiler war ein Ort nationalsozialistischen Terrors. In deren Zellengebäuden wurde 1933 ein Frühes Konzentrationslager eingerichtet, und seit 1944 waren hier Kölner Gestapokommandos stationiert, die schwerste Verbrechen insbesondere gegen osteuropäische Zwangsarbeiter, aber auch gegen Widerstandskämpfer des Kölner Volksfrontkomitees Freies Deutschland begangen haben. Die eindrucksvoll gestaltete Ausstellung und zwei unverändert erhaltene Arrestzellen vermitteln ein authentisches Bild von der psychischen und physischen, für viele auch todbringenden Gewalt, die hier von deutschen Polizeibeamten ausgeübt wurde. Sorgfältig dokumentierte Einzelschicksale machen gerade für junge Menschen nachvollziehbar, was Unfreiheit, Diktatur, Krieg und Gewaltbereitschaft staatlicher Organe für das Leben des Einzelnen bedeuten. Insofern ist die Gedenkstätte ein wichtiger Ort des Lernens vor Ort, der junge Menschen immunisieren kann gegen die bornierten rechtsradikalen Parolen der „Autonomen Nationalisten“, die in Pulheim ihr Unwesen zu treiben versuchen. Mit wenig Erfolg, zum Glück. Die Arbeit in der Gedenkstätte soll mit dazu beitragen, dass es so bleibt.
 Ehemaliger Zellenbau vor seinem Abriss 1972; hier war Konrad Adenauer 1944 in Gestapohaft
Die Gedenkstätte wurde vom Landschaftsverband Rheinland im November 2008 im Keller des ehemaligen Frauenhauses der Arbeitsanstalt Brauweiler, das heute als Bürohaus genutzt wird, eingerichtet. Als Rechtsnachfolger der ehemaligen Rheinischen Provinzialverwaltung, der die Arbeitsanstalt unterstand, fühlt der LVR sich verpflichtet zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit dieses Ortes, an dem einst auch Konrad Adenauer und seine Frau Gussie von der Gestapo gefangen gehalten wurden. Der Verein für Geschichte sieht für sich eine wichtige Aufgabe darin, den LVR bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Wer Näheres zum Thema nachlesen will, sei verwiesen auf das Buch
Hermann Daners, Josef Wißkirchen Was in Brauweiler geschah. Die NS-Zeit und ihre Folgen in der Rheinischen Provinzial-Arbeitsanstalt Pulheim 2006, 9,80 € Das Buch ist im Buchhandel und in unserer Geschäftsstelle erhältlich; vgl. das Buchbestellformular im Ordner „BUCHBESTELLUNG“ auf dieser Homepage. Seit 1996 begeht die Bundesrepublik den 27. Januar als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog hat ihn ins Leben gerufen. Das Datum wurde gewählt, weil am 27. Januar 1945 die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz befreite. Roman Herzog sagte 1996: „Die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen... Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken der Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ Im Sinne Roman Herzogs will die Gedenkstätte Brauweiler die Erinnerung an eine finstere Zeit wachhalten. JW
(2/01/09)
  | Paulusfenster in der Pfarrkirche St. Martinus in Stommeln |
Am 28. Juni 2008 hat Papst Benedikt XVI. in der römischen Basilika St. Paul vor den Mauern das „Paulusjahr“ ausgerufen, das am 29. Juni 2009 endet. Eine eigene Website (http://www.paulusjahr.info/) ist dem Thema gewidmet und wartet mit umfangreichen theologischen und historischen Informationen auf. Auch eher Skurriles kann man hier lesen, etwa die Entwicklung eines Phantombildes durch das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen.
 Phantombild des Apostels Paulus, LKA NRW
Will man sich der Bedeutung dieses „Apostels der Völker“ nähern, ist es vielleicht doch näherliegend, sich den Bildwerken der Kunst zuzuwenden – statt dem Phantombild der Kriminologen. Ein großartiges Kirchenfenster in der Stommelner Pfarrkirche St. Martinus ist dem hl. Paulus auf seinem Wege nach Damaskus gewidmet. „Entbrannt von Wut und Mordgier gegen die Jünger des Herrn“, hatte er sich, so erzählt die Apostelgeschichte, mit mehreren Männern von Jerusalem nach Damaskus auf den Weg gemacht, um diese zu verhaften. Aber dann „umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel“.
 Paulusfenster in St. Martinus, Stommeln
Das neugotische, sechsbahnige Fenster, 1905 von Reuter & Reichhart entworfen und von der Firma Heinrich Oidtmann in Linnich ausgeführt, hält die dramatische Szene fest: Der wie ein Krieger gerüstete Saulus stürzt von seinem Pferd und starrt geblendet nach oben, wo ihm über einem Wolkenband der dornengekrönte Christus erscheint. Das von ihm ausgehende helle Licht blendet die Begleitmannschaft, die sich erschrocken abwendet und die Hand hebt, um die Augen zu schützen. Nur der niedergestürzte Saulus, der sich in diesem Moment – der Legende nach – vom Saulus zum Paulus bekehrte, öffnet sich ganz mit ausgebreiteten Armen und aufgerissenen Augen dem göttlichen Licht und der an ihn ergehenden Frage: „SAULE, SAULE, QUID ME PERSEQUERIS“ – „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ (Vgl. unteren Schriftbalken.) Eingebettet ist die Szenerie in die golden leuchtende Glasarchitektur des Himmlischen Jerusalems. Das Foto (Fotograf: Hans Peter Dieterling) ist entnommen dem Buch: Josef Wißkirchen Stommelns Kirchen und Kapellen, Pulheim 2004 Die Stommelner Pfarrkirche enthält einen lückenlosen Kranz kunstvoller neugotischer und spätexpressionistischer Glasfenster. Ein Besuch lohnt sich. JW
(2/01/09)
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