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  | Frohe Weihnachten! |
Allen Mitgliedern des Vereins für Geschichte e.V. Pulheim und allen Besuchern unserer Homepage wünscht der Vorstand ein
FROHES UND GESEGNETES WEIHNACHTSFEST! Unseren guten Wünschen fügen wir auch einen Bildgruß an aus der Stommelner Pfarrkirche. Es sind zwei Aufnahmen aus dem zwölf Fenster umfassenden Glasbilderzyklus, den Albert Diemke 1940 entworfen hat, der aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaut worden ist. Thema beider Aufnahmen ist die Weihnachtsbotschaft. Die qualitätsvollen, nachexpressionistischen Fenster sind allein schon dadurch von kunstgeschichtlichem Wert, daß sie eines der seltenen Zeugnisse christlicher Glaskunst aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges darstellen. In ihrer inhaltlichen Konzeption sind sie von ihrer Zeit geprägt und lassen sich verstehen als religiöser Protest gegen den Totalitätsanspruch der NS-Diktatur.


Zwei Detailaufnahmen aus dem Weihnachtsfenster in der Pfarrkirche St. Martinus in Stommeln von Albert Diemke (1940); Fotos: Hans Peter Dieterling Theologisch durchzieht der Grundgedanke des Königtums Christi den ganzen Fensterzyklus. Zum Abschluß des Heiligen Jahres 1925 hatte Papst Pius X. das Christkönigsfest eingesetzt, um damit ein Zeichen zu setzen gegen den Laizismus der Zeit. Das Fest entwickelte sich insbesondere zu einem Bekenntnistag der katholischen männlichen Jugend und erhielt nach 1933 den Charakter einer religiösen Gegendemonstration gegen den Geist des NS-Staates. Die beiden Einzelaufnahmen sind als Einheit zu betrachten. Unten verkündet der Weihnachtsengel: „Christus ist uns geboren.“ Darüber liegt in einem farbig geränderten Lichtkreis das Kind in der Krippe; bei ihm sind Maria und Josef. Von dem Kind geht das neue Licht aus, das in die Welt gekommen ist. Die obere Fensterhälfte zeigt in bewegter Gruppierung die Heiligen Drei Könige, die dem Kind Weihrauch, Myrrhe und Gold bringen. Maria sitzt auf einem Thron und bildet ihrerseits den lebendigen Thron für das Kind in ihrem Schoß, das in seiner rechten Hand die Weltkugel hält als Zeichen seiner Herrschaft und in der anderen eine Schriftrolle: das Buch des Lebens, das vom Weltenherrscher am Ende der Tage aufgeschlagen wird.
Dargestellt ist nicht weihnachtliche Idyllik, sondern das Erscheinen der Herrlichkeit des Herrn. Die dem Tableau zugeordnete Schriftstelle macht es deutlich: „Königtum ruht in seiner Hand.“ Auf Maria und das Kind strahlt oben der Stern von Bethlehem.
JW
(12/22/05)
  | Neuerscheinung: Historisches Jahrbuch 2005 |
Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Band 29 Pünktlich zum Jahresschluß ist der 29. Band unserer Jahrbuchreihe „Pulheimer Beiträge zur Geschichte“ erschienen. Auf 400 Seiten enthält es Beiträge über Kaiserin Theophanu und das Beginenwesen im Mittelalter, über Kaiser Wilhelms II. Beziehungen zum Benediktinerorden und über den von den Nazis und den Anhängern der KPD gleichermaßen gehaßten Kölner und später Berliner Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel sowie über Themen aus der Geschichte Pulheims und seiner Stadtteile. Das Spektrum der Themen ist breit gestreut.

Inhalt
Rüdiger Schneider Berrenberg: Hatte Kaiserin Theophanu einen Bruder? (S. 7)
Heinz Erich Stiene: Zwischen Glorie und Elend. Geschichtsschreibung in der Abtei Brauweiler im 11. und 12. Jahrhundert (S. 22)
Peter Anton Tholen (1935) [†]: Die Pulheimer Pfarrkirche: auf Herz und Nieren geprüft. Große Spannung vor einer Wand / Entdeckungsfahrt im Kölner Vergleich (S. 44)
Mechthild Isenmann: Die Beginenbewegung im Mittelalter (S. 50)
Goswin Frenken (1944) [†]: Der Stöckheimerhof bei Pulheim. Von alten Kriegszeiten in unserem Land. Hrsg. v. Josef Wißkirchen (S. 74)
Wilfried Becher: Sozialstruktur eines rheinischen Dorfes zu Beginn des 18. Jahrhunderts anhand eines Kirchenbuches aus Oberemt 1716-1732 (S. 84)
Peter Schreiner: Brauweiler Denkmäler für die Toten des Deutsch-Französischen Krieges von 1870-71 sowie der Weltkriege von 1914-1918 und 1939-1945 (S. 93)
Peter Schreiner: Von Rulands Restaurant „Jägerhof“ zum Restaurant „Ruland’s Zehnthof“. Zur Geschichte eines Wirtshauses in Pulheim-Dansweiler (S. 121)
Godehard Hoffmann: Kaiser Wilhelm II. und der Benediktinerorden (S. 174)
Josef Abt: Der Kölner Bildhauer Wilhelm Faßbinder und die Restaurierung des Brauweiler Hagelkreuzes im Jahre 1897 (S. 204)
Hans Prieß: 75 Jahre Verein für Rasensport (VfR) Sinnersdorf 1928 e.V. - Ein Ort und sein Verein (S. 208)
Walter Volmer: Karl Zörgiebel - Polizeipräsident in schweren Zeiten (S. 225)
Alexander Hüber: Die Vornamengebung in Pulheim zwischen 1930 und 1947 in Abhängigkeit von der jeweiligen politischen Situation (S. 251)
Josef Wißkirchen: Kriegsende 1945 in Pulheim. Vortrag, gehalten in Pulheim am 9. Mai 2005 (S. 269)
Josef Wißkirchen (Hrsg.): Pulheimer Pfarrchronik von Pfarrer Lummerich, Teil 2: Auszüge aus den Jahren 1947 bis 1957 (S. 288)
Christiane Daners, Hermann Daners (Hrsg.): Britische Militärberichte über den besetzten Landkreis Köln - Januar bis März 1949 (S. 326)
Fritz Levacher: St. Maria, Königin des Friedens - Filialkirche in Dansweiler (S. 350)
Gereon Godehard Goergen, Gerhard Helmstaedter: Die Glocken der Pfarrkirche St. Martinus in Sinthern (S. 362)
Dreißig Jahre Gemeinde bzw. Stadt Pulheim. Feierstunde am Sonntag, dem 16. Januar 2005, im Rathaus der Stadt Pulheim:
Bürgermeister Dr. Karl August Morisse: Begrüßung (S. 371)
Bernhard Worms: 30 Jahre Gemeinde / Stadt Pulheim (S. 376) Chronik 2004/2005 (S. 385)
Das Buch ist im Buchhandel für 15,00 EUR erhältlich. Sie können es auch über unsere Geschäftsstelle beziehen. JW
(12/01/05)
  | Hof des Konrad Schauff in Köln-Junkersdorf um 1930 |
Ein Bauernhof in Köln-Junkersdorf: Viel gibt es zu sehen auf dem Foto, das um 1930 entstanden ist. Es ist der Hof von Konrad Schauff, der 1876 in Pulheim-Geyen geboren wurde und nach seiner Hochzeit 1906 mit Agnes Jungbluth in Junkersdorf eine neue Heimat gefunden hat. Mit dem Stolz des erfolgreichen Altbauern präsentiert sich Konrad Schauff unverkennbar rechts von der Bildmitte mit Anzug, Weste und Hut, während seine Frau neben ihm im Kittelkleid die auf der Altbäuerin immer noch ruhende Arbeitslast erkennen läßt. Sie stehen vor dem Milchwagen, dessen Aufschrift kenntlich macht, womit sie ihr Geld im stadtnahen Junkersdorf verdient haben:
„Konr. Schauff Junkersdorf/Köln Ia frische Vollmilch von eigenem Viehbestand“
 Hof des Konrad Schauff in Köln-Junkersdorf, um 1930 (Sammlung Hubert Huber, Pulheim-Brauweiler)
Konrad Schauff versorgte täglich Milchgeschäfte in der Stadt Köln mit frischer Milch von seinem eigenen Viehbestand. Dazu bedurfte es ausgedehnter Weideflächen und für den Winter hinreichender Stallungen, aber auch einer großen Landwirtschaft zur Produktion des erforderlichen Futters und Strohs. Das Melken der Milchkühe, zweimal am Tag, war wohl insbesondere Aufgabe der drei Frauen auf dem Bild. Den Männern oblag die sonstige Stall- und Feldarbeit, während das Füttern der Hühner und die tägliche Suche nach ihren Eiern wieder Frauensache war. Daß die Altbäuerin Agnes Schauff geb. Jungbluth neben all ihrer Arbeit auch noch acht Kinder geboren hat, von denen zwei im frühen Kindesalter verstarben, kommt noch zu all ihrer Arbeit hinzu. Vielleicht sind unter den tatkräftigen jungen Männern auf dem Foto auch Söhne von ihr, und die Kinder sind wohl ihre Enkel. Das Foto ist kein Schnappschuß, sondern, wie früher üblich, eine Inszenierung: Man zeigte sich so, wie man gesehen werden wollte. Nichts ist hier zufällig, sondern alles ist bewußt arrangiert. Vieh und Gerät zeigt man her als Beweis des erarbeiteten „Wohlstands“, das Mädchen seinen Puppenwagen, der Junge den Hofhund, der ältere Junge links hinten die drei Ackerpferde, der stolzeste und wertvollste Besitz eines Bauern in früherer Zeit. Die Erwachsenen zeigen sich in der Kleidung ihrer täglichen bäuerlichen Arbeit, die Frauen mit Kittel und Schürze, die alte Frau rechts füttert die Hühner. Der Altbauer Konrad Schauff sieht sich selbst offenbar nicht mehr als Bauer, sondern als Geschäftsmann. Das Paar am linken Bildrand, vermutlich das Jungbauernpaar, zeigt mit weiblichem Kittelkleid und männlichem weißem Kittel, wie sehr man in der bäuerlichen Arbeit steckt und daraus seinen Stolz gewinnt – wobei der weiße Kittel zugleich die hygienische Sorgfalt und Reinlichkeit in der Milchküche dokumentieren soll, aus der der junge Mann für den Fototermin gerade kam. Arbeit genoß offenbar eine höhere Wertschätzung als heute, wo die Statussymbole der Freizeit für die Selbstinszenierung die entscheidenden sind. Die andere Bewertung der Arbeit ergab sich aus der Tatsache, daß das Leben ein täglicher Kampf ums Überleben war, daß es den Menschen eine tägliche Arbeitsleistung abverlangte, wie wir heute es uns kaum noch vorstellen können. Das Foto entstand in einer Zeit des Umbruchs. Das Gemäuer von Scheune und Stall – Fachwerk mit ziegelsteingefüllten Gefachen – ist das Relikt einer zu Ende gehenden Epoche, ebenfalls die Mastschweine auf der Dungstätte in der Hofmitte oder die drei schweren Ackerpferde, die den Pflug zogen. Rechts aber schiebt sich eine Maschine ins Bild, die ein neues Zeitalter ankündigt. De junge Mann auf dem Fahrersitz zeigt den neuen, zukunftsgewandten Stolz des Traktoristen. Er sitzt auf einem Bulldog, genauer: auf einem Großbulldog HR 2, wie er seit 1926 von der 1925 in Mannheim gegründeten Heinrich Lanz AG gebaut wurde und seitdem anfing, die bäuerliche Wirtschaft zu revolutionieren. Der neuen Zugmaschine gehört die Zukunft, nicht den Pferden. Sie zogen zwar noch den Milchwagen, weil der alte Bulldog mit Eisenrädern nur für die Feldarbeit konzipiert war; aber mit der Ende der 1930er Jahre aufkommenden Gummibereifung sollte auch das sich ändern. Das Foto zeigt eine Welt, die kaum achtig Jahre vergangen ist. Wer in den 1950er Jahren großgeworden ist, hat noch Erfahrungen gemacht, die ihn anbinden an die Zeit seiner Großväter. Die junge Generation von heute besitzt eine solche aus eigener Lebenserfahrung gespeiste Verbindung nicht mehr. Alte Fotos wie dieses zeigen ihr, wie fremd das Vergangene ihnen ist, aber sie enthalten zugleich die Chance, durch empathisches Sichhineinversetzen sich eine Vorstellung von der eigenen Vergangenheit zu erarbeiten und auf diese Weise die eigene Lebenssituation mit einem historisch geweiteten Bewußtsein besser einordnen und begreifen zu können. Dabei Hilfestellung zu bieten, ist eine der Aufgaben, die unser Geschichtsverein sich gesetzt hat.
 Totenzettel des Konrad Schauff, an den Folgen eines Unfalls am 24.3.1954 verstorben; aus der Totenzettelsammlung des VfG auf dieser HP
Ein Wort noch zum wenig erbaulichen Ende des Konrad Schauff, der sich auf dem Foto voller Stolz inmitten seines Hofes und seiner Familie zeigt und am 24. März 1954 in Köln-Braunsfeld verstarb: Sein Totenzettel, den in unserer Totenzettelsammlung auf dieser Homepage unter der Nummer 6566 zu finden ist (siehe Startseite), deutet es an: „Ein Verkehrsunglück beendete kurz nach der Feier seines 78. Geburtstages seine irdische Pilgerfahrt.“ Die Familientradition überliefert es genauer: Beim nächtlichen Nachhauseweg von seiner Geburtstagsfeier wurde er von der Straßenbahn erfaßt und so schwer verletzt, daß er diesen Verletzungen erlag. JW
(12/01/05)
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