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November 2008

Historisches Jahrbuch 2008 erschienen

Pünktlich zum Jahresende legt der Verein für Geschichte e.V. sein neues historisches Jahrbuch vor: „Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Band 33“ (ISBN 978-3-927765-45-0, Preis 15,00 €). Es kann über den Buchhandel oder über unsere Geschäftsstelle bezogen werden; ein entsprechendes Bestellformular finden Sie auf dieser Homepage im Ordner BUCHBESTELLUNG.



Pulheimer Beiträge zur Geschichte 33/2008


Der Buchtitel zeigt den Altbau der Pfarrkirche St. Kosmas und Damian in Pulheim. Ein Beitrag ist der Baugeschichte dieser Kirche gewidmet, deren Ursprung, eine kleine Saalkirche aus der Zeit um 1000, in einer 3D-Rekonstruktion von Kay-R. Lippmann, Köln, abgebildet ist.



Ursprung der Pulheimer Pfarrkirche aus der Zeit um 1000; 3D-Rekonstruktion von Kay-R. Lippmann, Köln


INHALT


Lothar Giels
Ein vorgeschichtlicher Hausgrundriss von Pulheim-Freimersdorf. Die Jungsteinzeit in der
Stadt Pulheim (S. 7)


Heinz Erich Stiene
Magier, Weise, Könige, Bischöfe. Das Bild der Heiligen Drei Könige seit der altchristlichen Zeit und
die Darstellung der Dreikönigenlegende auf den Chorschranken des Kölner Domes (S.19)


Udo Mainzer
Brauweiler und die „benediktinische“ Turmfamilie im Rheinland S. 57)


Josef Wißkirchen
Pfarrkirche St. Kosmas und Damian in Pulheim: ältere Baugeschichte und Holzskulptur der Anna Selbdritt (S. 71)


Winfried Becher
„Maikäfer flieg...“ – Die Verlierer des Dreißigjährigen Krieges. Versuch einer Dokumentation zum
Denken und Fühlen der damaligen Unterschicht (S. 110)


Joseph Sander
St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Königsdorf 1683 e. V. Neue Forschungsergebnisse zum
325-jährigen Jubiläum S. 135)


Peter Schreiner
„Hab all die Jahre treu gewacht, Euch Wind und Regen angesagt...“ Die Geschichte des Turmhahns
der Abteikirche in Brauweiler (S. 165)


Uwe Griep
Aprikosen, Pfirsiche und kräftige Weinstöcke. Das ehemalige Rougemont-Sonorésche Landhaus
in Weiden bei Köln (S. 189)


Peter Schreiner
7. August 1898: Wirbelsturm über Köln. Alte Ansichtskarten als historische Bilddokumente (S. 209)


Egon Heeg
Die „Von Blankenfelde Brikettfabrik Frechen G.m.b.H.“ oder: Die verdrängte Gründungsgeschichte
der Wachtbergbetriebe (S. 225)


Hans Hesse/Elke Purpus
„Sie waren bereit, für Gesetz und Vaterland zu sterben!“ Gedenken beim Wort genommen: Ergebnisse einer Recherche (S. 234)


Paul Demel
Die „Brauweiler Windmühle“. Eine neuerliche Bestandsaufnahme (S. 261)


Christopher Wolters
„Das unglückliche Pfarrhaus hat seelsorglich außerordentlich geschadet...“ Geschichte des 2. Pfarrhauses in Brauweiler (S. 269)


Wilfried Bedburdick
Verkehrsverhältnisse zwischen 1945 und 1955 im heutigen Stadtbereich Pulheim (S. 287)


Fritz Levacher
Über 100 Jahre im kirchlichen Dienst. Die Dansweiler Kirchenorgel (S. 319)


Gerhard Helmstaedter
Das pfarrliche Leben im Aufbruch: 40 Jahre nach der Einrichtung der Pfarrgemeinderäte (S. 324)


Jürgen Nielsen-Sikora
Triptychon des Todes. Maurizio Cattelans Installation für das Kunstprojekt Synagoge Stommeln 2008 (S. 351)


Corinna Beck
Der Landschaftsverband Rheinland zeichnet Josef Wißkirchen mit dem Rheinlandtaler aus (S. 359)


Chronik 2007/2008 (S. 363)

(11/22/08)

GEDENKSTÄTTE BRAUWEILER eröffnet

Der Landschaftsverband Rheinland hat am 9. November 2008 im Keller des ehemaligen „Frauenhauses“ eine Dauerausstellung zur Geschichte der Arbeitsanstalt in Pulheim-Brauweiler während der Zeit des Nationalsozialismus eingerichtet.



Eingang zur Gedenkstätte im Keller des ehemaligen „Frauenhauses“ (heute Bürohaus)


Seit 2003 haben Hermann Daners und Josef Wißkirchen, beide Mitglieder des Vereins für Geschichte e.V. in Pulheim, im Auftrage des Landschaftsverbandes Rheinland eine Dauerausstellung erarbeitet, die an die Verbrechen erinnern soll, die in nationalsozialistischer Zeit in der Arbeitsanstalt Brauweiler begangen wurden. Bereits 1933 wurde hier ein „frühes Konzentrationslager“ eingerichtet. 1938 diente der Brauweiler „Zellenbau“ als Sammellager für etwa 600 rheinische Juden vor ihrer Deportation in das Konzentrationslager Dachau. Seit 1942 war die Kölner Gestapo dauernd in der Anstalt präsent.
Die schlimmsten Monate waren die von September 1944 bis Februar 1945, als es unter dem in Brauweiler stationierten Gestapokommando Kütter zu schlimmsten Misshandlungen kam. Mitglieder der kommunistischen Kölner Widerstandsorganisation „Volksfrontkomitee Freies Deutschland“ waren seine Opfer, ebenso zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Polen, der Ukraine und Russland, von denen keiner überlebte.
Auch die beiden öffentlichen Massenerhängungen im Oktober und November 1944 in Köln-Ehrenfeld gehen auf das Konto des Brauweiler Gestapokommandos; zu den Opfern gehörten auch sechs Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren, unter ihnen Bartholomäus Schink.
In einem Festakt im Kaisersaal der Abtei Brauweiler wurde die Gedenkstätte eröffnet. In seinem Festvortrag wies Hermann Daners darauf hin, dass er nicht zuletzt darauf hoffe, dass die Schulen der Region die Gedenkstätte nutzen: „Wir meinen, dass regionale Gedenkstätten außerschulische Lernorte darstellen, von denen eine hohe Motivation ausgeht, und dass die konkrete Situation in der Heimatregion eher und besser eine Vorstellung vom Wesen des Nationalsozialismus vermittelt und eher eine persönliche Auseinandersetzung mit der Thematik bewirkt als ein an allgemeinen Zusammenhängen orientierter Unterricht ausschließlich nach Schulbuch.“
Die zahlreichen Besucher der Gedenkstätte am Eröffnungstag zeigten sich tief beeindruckt.



Eine der beiden Arrestzellen in der Gedenkstätte mit einem Foto von Gussie Adenauer, die zusammen mit ihrem Mann Konrad Adenauer in Brauweiler Gestapohaft war

Öffentliche Führungen in der GEDENKSTÄTTE BRAUWEILER
Die Gedenkstätte im LVR-Bürohaus (Eingang vom LVR-Parkplatz aus) ist nur im Rahmen von Führungen zugänglich. Der Besuch ist kostenlos.
Anfragen für private Führungen (Schulklassen, Vereine, Freundeskreise) sind zu richten an:


LVR-Archivberatung und Fortbildungszentrum
Ehrenfriedstraße 19
50259 Pulheim
E-Mail: Gedenkstaette-Brauweiler.de
Tel.: 0 22 34 / 98 52 – 302


Für die Allgemeinheit bieten Hermann Daners und Josef Wißkirchen folgende Termine an, zu denen eine Anmeldung nicht erforderlich ist (jeweils 14.30 – 16.30 Uhr):



  • Samstag, 15.11.2008 (Wißkirchen)
  • Samstag, 22.11.2008 (Daners)
  • Samstag, 29.11.2008 (Wißkirchen)
  • Samstag, 06.12.2008 (Daners)
  • Samstag, 13.12.2008 (Wißkirchen)


Weiterführende Informationen
In der Gedenkstätte wird ein Buch der beiden Ausstellungsinitiatoren angeboten:



Hermann Daners, Josef Wißkirchen
Was in Brauweiler geschah
Die NS-Zeit und ihre Folgen
in der Rheinischen Provinzial-Arbeitsanstalt
ISBN 978-3-927765-39-9, 9,80 €



Das Buch korrespondiert inhaltlich mit der Dauerausstellung, ist aber mehr als nur ein Katalog: es erweitert und vertieft deren Inhalte.


JW

(11/12/08)

Personal der Arbeitsanstalt Brauweiler 1927

Die in den Gebäuden und auf dem Gelände der ehemaligen Benediktinerabtei Brauweiler im 19. Jahrhundert eingerichtete Arbeitsanstalt gehörte zu den größten in Deutschland. Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, sollte hier an regelmäßige Arbeit gewöhnt und durch berufliche Qualifizierung auf die Rückkehr in ein bürgerliches Leben vorbereitet werden.
1927 erhielt die Anstalt mit Ernst Scheidges einen neuen Direktor, und das war wohl der Anlass, dass sich die Beamten und Angestellten zusammen mit dem neuen Direktor im Marienhof zu zwei Erinnerungsfotos gruppierten.
Sechs Jahre später, nach der „Machtergreifung“ Hitlers, änderte die Anstalt ihren Charakter völlig. Direktor Scheidges wurde bereits 1933 unter falschen Anschuldigen aus dem Amt entfernt, neue Aufseher sorgten für einen immer militärischer werdenden Kommandoton, ein frühes Konzentrationslager wurde 1933/34 im „Zellenbau“ und im „Bewahrungshaus“ eingerichtet. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden etwa 600 Juden hier kurzfristig gesammelt und dann ins KZ deportiert. Seit 1942 und endgültig seit 1944, als es in Brauweiler Sonderkommandos der Kölner Gestapo gab, wandelte sich die Arbeitsanstalt in eine Einrichtung nationalsozialistischen Terrors, in der er zu schwersten Verbrechen kam. Seit dem 9. November 2008 erinnert eine Gedenkstätte im Keller des ehemaligen „Frauenhauses“ an diese Jahre.



Beamte und Angestellte der Arbeitsanstalt Brauweiler 1927


Die abgebildeten Fotos liegen vor dieser unseligen Zeit. Noch gibt es in Brauweiler Menschen, die die abgebildeten Personen erkennen. Daraus ist die folgende Zusammenstellung der Namen entstanden.





1 FUNK Willi, Hauptwachtmeister
2 CONRAD
3 IRSCH Adam, Anstalts-Obersekretär
4 FRANK Peter, Verwaltungsgehilfe
5 HARTMANN Alfred, Technischer Inspektor
6 BÜNNAGEL Josef
7 DILLMANN Anton, Obersekretär
8 STRAUSS Josef, Verwaltungsgehilfe
9 PFEIL Franz, Anstaltssekretär
10 CLASEN Wilhelm, Hauptwachtmeister
11 USINGER Gottfried, Anstaltssekretär
12 HIRTEN Matthias, Anstaltssekretär
13 FINKE Fritz, Oberinspektor
14 KLÄGER Hans, Rentmeister
15 KIRSCHIEBEN Paul, stellvertretender Direktor
16 Dr. KRALEWSKI Hubert, ev. Oberpfarrer
17 EICHEL
18 SCHEIDGES Ernst, Direktor
19 RANDERATH Peter, kath. Pfarrer
20 ROBENS Matthias, Anstaltssekretär
21 VAN DE LOO Jakob, ev. Anstaltspfarrer
22 HORSCH Franz, Anstaltssekretär
23 LOHSCHEIDER Nikolaus, Anstaltssekretär
24 METZMACHER Christian, Anstalts-Obersekretär
25 RENDER Maria, Anstaltslehrerin
26 NEUGEBAUER
27 Dr. TILLISS, Armin, Oberarzt
28 Dr. ROSSIÉ Frieda, Leiterin der Frauenabteilung





Aufsichtsbeamte der Arbeitsanstalt Brauweiler 1927





1 BEHNKE Otto, Hauptwachtmeister
2 JOOSTEN Johann, Hauptwachtmeister
3 BECKER Christian, Hauptwachtmeister
4 REIFF Peter, Hauptwachtmeister
5 KLEIN Theodor, Hauptwachtmeister
6 DEBOCK Josef, Hauptwachtmeister
7 WIRTZ Peter, Hauptwachtmeister
8 KLAMETH Josef, Hauptwachtmeister
9 SCHIEFFER Nikolaus, Hauptwachtmeister
10 VOGT Johann, Hauptwachtmeister
11 VOGT Matthias, Hauptwachtmeister
12 BUSCH Friedrich, Hauptwachtmeister
13 KÜPPER Karl, Hauptwachtmeister
14 REPGES Rudolf, Hauptwachtmeister
15 JUSSEN Wilhelm, Hauptwachtmeister


JW



(11/02/08)




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