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November 2007

Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für Peter Schreiner

Der Bundespräsident hat Peter Schreiner mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Am 19. Dezember 2007 wird es ihm in einer Feierstunde um 11.00 Uhr im Sondergebäude des Kreishauses Bergheim, Saal E.1, von Landrat Werner Stump überreicht werden.
Von seiner Gründung vor dreißig Jahren an ist Schreiner der 1. Vorsitzende des Vereins für Geschichte e.V. Wenn dieser Verein sich aus kleinen Anfängen schon nach wenigen Jahren zu einem der größten und leistungsstärksten Geschichtsvereine des Rheinlandes entwickelt hat, dann ist es nicht zuletzt sein Verdienst.



Peter Schreiner, 1. Vorsitzender des VfG Pulheim


Nach 1945 hat Schreiner als Kölsche Jong aus dem Vringsveedel die dem Wiederaufbau seiner Vaterstadt voraufgegangenen zahlreichen archäologischen Grabungen miterlebt und mit eigenen Augen gesehen, wie Zeugnisse aus der Vergangenheit geborgen wurden und vom Leben früherer Jahrhunderte zu erzählen begannen. Seine historische Entdeckerfreude und Liebe zur Geschichte war geweckt.
Zunächst als Volksschullehrer und dann – nach Zusatzstudium – als Realschullehrer lag ihm das Fach Geschichte besonders am Herzen. Als dann 1977 im Stommelner Feuerwehrhaus der Geschichtsverein – zunächst als kleine „Arbeitsgemeinschaft“ – aus der Taufe gehoben wurde, erhielt er für seine Neigung das ihm entsprechende Aktionsfeld, dem er sich von nun an mit Umsicht, Weitblick und unermüdlicher Schaffenskraft widmete. Der Geschichtsverein ist zu einem entscheidenden Inhalt seines Lebens geworden.
Mit Stolz kann er heute auf den sichtbaren Erfolg seiner Arbeit blicken. Der Verein hat durch sein umfangreiches und ambitioniertes Veranstaltungsprogramm und durch die Herausgabe zahlreicher Publikationen das kulturelle Leben in der Stadt Pulheim wesentlich mitgeprägt und bereichert.
Schreiners besondere Liebe gilt der Geschichte der Abtei Brauweiler. Zahlreiche Veröffentlichungen hat er diesem Thema gewidmet. Verwiesen sei vor allem auf seine rund 500 Seiten umfassende Darstellung zur Geschichte der Abtei Brauweiler, die 2001 als 21. Sonderveröffentlichung des Vereins für Geschichte herausgekommen ist (trotz hoher Auflage inzwischen vergriffen).
Seit Jahren hat Peter Schreiner in unzähligen Führungen durch die Abtei dieses bedeutende Zeugnisse rheinischer Klosterkultur Besuchern von nah und fern nahegebracht. Besondere Anerkennung verdient, dass er im Laufe dieses Jahres aus eigener Initiative und unentgeltlich einen Kreis von Abteiführern ausgebildet hat, die seine Arbeit fortführen.
Nicht vergessen werden soll auch Schreiners Einsatz für die Rettung der ehemaligen Synagoge in Stommeln.
Als jüngste monographische Veröffentlichung hat Peter Schreiner Ende Oktober dieses Jahres sein großformatiges Werk „Gruß aus ... Alte Ansichtskarten aus den Orten der Stadt Pulheim und ihrem Umland“ vorgelebt. Es belegt erneut eine der Tugenden des Historikers Schreiner: seine akribische Genauigkeit im Detail.
1981 hat der Landschaftsverband Rheinland Peter Schreiner das Albert-Steeger-Stipendium verliehen. In Würdigung seiner Verdienste um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen wurde er 1998 mit dem Verdienstorden der Republik Polen ausgezeichnet. Die Stadt Pulheim ehrte ihn durch seine Eintragung in das Goldene Buch der Stadt.
Die Mitglieder des Vereins für Geschichte e.V. gratulieren ihrem Vorsitzenden zu seiner hohen und verdienten Auszeichnung.


JW

(11/14/07)

Alte Straßennamen in der Stadt Pulheim

Alte Straßennamen in den Ortskernen der Stadt geben manchmal Rätsel auf. Wir ahnen, dass ein stück geschichtlicher Überlieferung in ihrer Sprachgestalt geborgen ist, aber der Sinn erschließ sich uns nicht sofort. Manchmal leben uralte Flurnamen in ihnen fort, deren Kenntnis uns verlorengegangen ist.
1963 hat Heinrich Dittmaier – unter Mitarbeit von P. Melchers und unter Nutzung des Materials des von A. Bach begründeten Rheinischen Flurnamenarchivs – sein Buch „Rheinische Flurnamen“ herausgebracht, das seit einiger Zeit im Internet online verfügbar ist (http:/www.lehnhof.net/cgi-bin/suche.pl). Manches Rätsel lässt sich mit Hilfe dieses Flurnamenlexikons lösen.




„Auf dem Driesch“ in Pulheim


„Auf dem Driesch“ in Pulheim
Zu „Driesch“ findet sich folgende Erklärung:
„Zeitweise beackertes, nun aber für mehrere Jahre unbebautes, brachliegendes, minderwertiges, ausgewonnenes Ackerland, mit einer spärlichen Grasnarbe bewachsen, deshalb als Weide dienend oder zum Heuen.“
Für das Verständnis der besonderen Situation in Pulheim ist noch darauf hinzuweisen, dass ursprünglich der aus der heutigen „Bachstraße“ kommende Pulheimer Bach quer über den heutigen Marktplatz floss und dann auf den Driesch abbog; er mündete in das sumpfige „Gedreise“, wo das Wasser versickerte; seit dem 18. Jahrhundert aber wurde der Bach durch einen künstlichen Graben in Richtung Pletschmühle und Orr umgeleitet, und zwar im Verlauf der heutigen Straßen „Kanalstraße“ und „Am Weidenbach“, die hiervon ihren Namen haben.
Das Uferland des Baches im Bereich des „Drieschs“ war bei Schneeschmelze oder nach starken Gewittern oft überschwemmt und deshalb für regelmäßigen Ackerbau nicht nutzbar; deshalb hielte man hier beim Bau der Häuser auch Abstand vom Bach. Daraus erklärt sich die Breite der heutigen Einkaufsstraße, die sich trichterförmig zum Marktplatz hin verbreitert und dadurch noch den Verlauf des in den 1920er Jahren kanalisierten Baches erkennen lässt.


„Berlich“ in Stommeln
Auch in Köln gibt es eine Straße mit dem Namen „Auf dem Berlich“, und man erklärt diesen Namen damit, dass hier ein Platz gewesen sei, wo einst Bärenhetzen stattgefunden hätten. Das mag so sein, ist aber für Stommeln keine in Erwägung zu ziehende Erklärung. Dittmaiers Rheinisches Flurnamenlexikon hilft hier weiter. Er deutet das Wort sprachlich als „be\*r-lach, -lak“ und interpretiert es als „Bezeichnung für die Eberwälze bzw. für den Eberpferch“.
Im Kölner und Stommelner Dialekt hat der Zuchteber bis heute „Bier“, in älterer Sprech- und Schreibweise „Beer“. Der Straßenname „Berlich“ ist ein Kompositum, gebildet aus dem Grundwort „lich“ und dem Bestimmungswort „Beer“. „Lich“ darf also nicht als Suffix missverstanden werden, sondern ist ein Nomen, das aus rhein. „-lach“ (Pfütze, Pfuhl) herzuleiten ist. „Berlich“ meint also einen sumpfigen Teich oder ein sumpfiges Wiesenstück, in dem der Zuchteber sich wälzt. Und weil mit dem Grundwort des Kompositums „Ber-lich“ ein bestimmter Platz gemeint ist, wohnt man nicht „im“, sondern „auf dem Berlich“.
Zum besseren Verständnis muss man sich vor Augen halten, dass durch den Berlich, aus dem Kirchtal kommend, früher ein Bach geflossen ist, der heute kanalisiert ist. Er lag am früheren Dorfrand. Nur der Große Kreuzhof befand sich an diesem Weg, und er war bis ins 18. Jahrhundert allseitig mit einem Wassergraben umschlossen, der mit dem Wasser dieses Baches gespeist wurde. Der Graben erinnterte daran, dass der Große Kreuzhof, einst mit einem Bergfried versehen, aus dem Sitz der ehemaligen Ritter von Stommeln hervorgegangen. Auf einem Wiesenstück am Ufer des Baches hatte offenbar der hier gehaltene Zuchteber sich seine Suhlstätte (seine „Suhle“ oder „Lake“) geschaffen. Für die Schweinezucht des Ortes war dieser Zuchteber unentbehrlich.


„Kattenberg“ in Stommeln
Das Grundwort „Berg“ in diesem Kompositum erklärt sich von selbst: der Kattenberg führt aus der Niederterrasse hinauf auf die Mittelterrasse des Ur-Rheins. Hier befanden sich bevorzugt die kleinen Häuschen der Tagelöhner, die bis in die 1960er Jahre dieser Straße ihr besonderes Gepräge gaben. Es war ein eher ärmliches Viertel des Ortes, die größeren Höfe lagen – mit Ausnahme des Hofes Kattenberg 36 – anderswo.
Bei dem Bestimmungswort „Katte“ ist wohl an das Tier „Katze“ zu denken, das auf germ. „*kat(t)“ zurückgeht, das ursprünglich „Krümmung“ bedeutet; das Tier hat seinen Namen also von seinem manchmal auffällig gekrümmten Rücken. In Orts-, Flur- und Sachnamen kommt dieses Wort häufig vor. Daraus kann man zu der Deutung deuten, dass es sich beim „Kattenberg“ um einen „gekrümmten“ Rücken handelt, der vom Josef-Gladbach-Platz aus ansteigt und zur Bruchstraße hin wieder abfällt.
Dittmaier bevorzugt eine andere Deutung: es gehe um die im Rheinland ausgerottete Wildkatze, die zur Bezeichnung des Kleinen, Minderwertigen und Schlechten verwandt worden sei. In der Tat war es ja aus Platzgründen bei zahlreichem Kirmesbesuch etwa üblich, dass die Kinder ausweichen mussten an den „Katzentisch“. Der Kattenberg hätte seinen Namen dann daher, dass er der Ort war, wo die eher ärmliche Bevölkerung des Ortes wohnte.


„Bröhlsgasse“ in Stommeln und Broelsgäßchen“ in Brauweiler
Sprachgeschichtlich haben beide Namen den gleichen Ursprung, der uns z. B. aus dem Stadtnamen „Brühl“ vertraut ist. Die heutige Bedeutung dieses Wortes ist nach dem Rheinischen Wörterbuch „feuchte Wiesenparzelle“, meist nahe beim Dorf gelegen. Dittmaier weist aber darauf hin, dass der „Brühl“ ursprünglich Herrenbesitz, meist geistlicher Besitz war und dass Frondienste an ihm hafteten. Es waren ursprünglich Wiesen des grundherrlichen Salhofes (Meierhofes) und grenzten an diesen. Sie waren eingehegt und oft von Bäumen bestanden. „Die Grundbedeutung des Namenwortes ist nicht das Feuchte, Sumpfige, wie in den heutigen Wörterbüchern angegeben, sondern das Umzäunte, Gehegte.“
In Stommeln ist hierbei an den nahe gelegenen „Kleinen Kreuzhof“ der Kreuzbrüder in Köln und in Brauweiler an die nahe Benediktinerabtei zu denken.


„Hahnenstraße“ in Stommelerbusch
Dass die Hahnenstraße in Stommelerbusch ebenso wenig etwas mit dem Federvieh gleichen Namens zu tun wie der „Hahnenhof“, wird schnell deutlich, wenn man im Rheinischen Flurnamenlexikon unter den Stichworten „Hagen“, „Hain“ und „Hau“ nachschlägt.
Die Hahnenstraße geht nicht auf einen historisch gewachsenen Weg durch den bis 1846 hier existierenden Stommelner Busch zurück, sondern wurde in den 1820er Jahren neu angelegt, und zwar kerzengerade. Damals wurde der gesamte Busch neu vermessen, um ihn zu parzellieren und damit seinen damals bereits geplanten, aber erst 1846 durchgeführten Verkauf in Form einer Versteigerung vorzubereiten. In dem Busch holten sich die „Walderben“, d.h. die Stommelner Familien, die gemeinsame Waldbesitzer waren, ihren Bedarf an Brenn- und Bauholz. Die neue „Hahnenstraße“ erschloss ihnen ihren Weg zum dem jährlich am Kunibertstag (12.11.) abgesteckten „Hau“, in dem den einzelnen Walderben ihr „Ha:n“ zugewiesen wurde.
Der Stammvokal „a“ ist lang zu sprechen, heute verwenden wir dafür ein „h“ als Dehnungszeichen, woraus sich die Schreibweise „Hahn“ ergibt; früher verwandte man als Dehnungszeichen ein „i“ (wie z. B. heute noch in „Grevenbroich“) und schrieb entsprechen „Hain“, wie es – in geänderter Lautung – noch in „Hainbuche“ erhalten ist.
„Ha:n“ ist seinerseits das Ergebnis einer lautlichen Kontraktion aus „ha-gen“ (vgl. die Stadt „Hagen“), womit ein eingehegtes bzw. abgestecktes Waldstück gemeint ist.
Die „Hahnenstraße“ erinnert also nicht an das sprichwörtliche Federvieh auf dem Mist, sondern an die einstige gemeinsame Waldnutzung, die über diese Straße erschlossen wurde.


JW

(11/14/07)




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