Gemeinsam mit dem Rheinischen Archiv- und Museumsamt des Landschaftsverbandes Rheinland bringt der Verein für Geschichte e.V. ein neues Buch zur Geschichte der Arbeitsanstalt Brauweiler heraus:
Herausgeber: Landschaftsverband Rheinland und Verein für Geschichte e.V. Pulheim
ISBN 3-927765-39-2, Großformat, 160 S., fester Einband, zahlr., meist farbige Abb., 9,80 EUR
BUCHVORSTELLUNG
im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung
am Mittwoch, dem 22. November 2006, 19.30 Uhr,
im Kaisersaal der Abtei Brauweiler
Pulheim-Brauweiler, Ehrenfriedstr. 13
Die beiden Autoren halten einen
Lichtbildervortrag
Hermann Daners / Josef Wißkirchen
Einführung in Konzept und Thematik
des Buches „Was in Brauweiler geschah“
Das Buch wird ein zweites Mal vorgestellt am 7. Dezember 2006, 19.00 Uhr, im NS-Dokumentationszentrum Köln (EL-DE-Haus), Appellhofplatz 23-25.
Der Name „Brauweiler“ hat heute einen guten Klang. Man denkt an die großartige romanische Architektur der mittelalterlichen Benediktinerabtei.
Das war nicht immer so. „Ab nach Brauweiler!“ scherzte man früher und meinte die dortige Arbeitsanstalt. Seit 1942 befanden sich im „Zellenbau“ dieser Anstalt Sonderkommandos der Kölner Gestapo.
Gegen die in der Trümmerlandschaft Ehrenfelds untergetauchten, von ihrer Arbeitsstelle geflohenen Zwangsarbeiter und gegen „kriminelle Banden“ führte das in Brauweiler Gestapokom¬man¬do Kütter einen regelrechten Vernichtungsfeldzug. Die Opfer der öffentlichen Massenerhängungen im Oktober und November 1944 in Ehrenfeld waren vor ihrer Hinrichtung im Brauweiler „Zellenbau“ verhört und gefoltert worden. Mehrere Mitglieder der Kölner Widerstandsgruppe „Volksfrontkomitee Freies Deutschland“ wurden hier zu Tode gequält. Zahlreiche „Ostarbeiter“ wurden von Brauweiler zur Exekution ins EL-DE-Haus überstellt. Konrad Adenauer, der im Herbst 1944 im Brauweiler „Zellenbau“ inhaftiert war, nannte die Behandlung der Häftlinge „niederträchtig“.

Zellentür Konrad Adenauers
Konrad Adenauer über seine Erfahrungen in der Brauweiler Gestapohaft:
„In dem Gestapogefängnis, in dem ich war, waren zu der Zeit 67 Leute. Davon sind 27 aufgehängt worden, und einer wurde erschossen...
Es wurden sogar Kinder von 16 Jahren aufgehängt. Sie mussten aber, ehe sie aufgehängt wurden, ihre Hitlerjacken ausziehen; das habe ich selbst gesehen...
Meine Zelle lag über dem Raum, in dem Menschen gemartert wurden. Das war ein Betonbau, und ich konnte alles hören und habe manche Nacht schweißbedeckt auf meinem Strohsack gelegen wegen der geistigen Qualen, die ich da mitmachen musste, wenn ich das alles hörte.“
JW
(11/08/06)

 | Ansichtskarten aus Köln um 1900 |
Die farbigen Lithographien, die vom Ende des 19. Jahrhunderts bis um 1920 als Gruß- und Ansichtskarten massenhaft gedruckt und versandt wurden, sind heute beliebte Sammelobjekte für die sogenannten Philokartisten. In Internetbörsen werden die bunten Karten oft zu hohen Preisen angeboten.
Sammelobjekte waren sie von Anfang an. So liegt dem Verein für Geschichte e.V. eine wertvolle Sammlung von insgesamt ca. 600 Karten vor, die in der Zeit von 1899 bis um 1920 alle von einem Pulheimer Mädchen bzw. dann jungen Frau gesammelt worden sind. Geschickt waren sie an ihre Familie oder sehr häufig auch an sie selbst. Viele jugendliche Verehrer und alle guten Bekannten schickten ihr von überall her solche Karten, die sie dann in drei großen Alben für jeweils etwa 200 Karten sammelte. Gruß- und Ansichtskarten sind darunter, meist als Lithographien, teilweise auch schon als Fotografien; ebenso zahlreich auch Motivkarten zum Namenstag, Neujahrstag oder Weihnachten und Ostern; schließlich auch militärische Bildmotive, die die männlichen Verehrer, die ihren Militärdienst als Rekruten ableisten mußten, aus ihren Garnisonstandorten schickten.
Heute, im Abstand von hundert Jahren, faszinieren diese Karten erneut wegen des ganz anderen Blicks, den sie auf uns vertraute oder auch durch den Krieg verlorene Objekte oder auf völlig veränderte Lebensumstände und –einstellungen gewähren.
Aus der Sammlung, die zur Zeit digitalisiert und erfaßt wird, zeigen wir hier sechs Beispiele aus Köln, mit der Post verschickt zwischen 1899 und 1903. Ein beliebtes und deshalb sich wiederholendes Motiv ist der Dom, aber auch der Volksgarten, der damals neue Bahnhof in Köln-Ehrenfeld oder die Kölnische Volkszeitung, neben der liberalen Kölnischen Zeitung die große katholische, dem Zentrum nahestehende Zeitung in Köln.
Auch aus Anlaß herausragender Tagesereignisse erschienen gelegentlich besondere Karten zur Erinnerung. Ein schönes Beispiel ist die Inthronisation des Kölner Erzbischofs Ant. Hub. Fischer am 19. März 1903.
JW

Gruß aus Köln. Poststempel: 26.7.1899

Köln a/Rh., Dom Westseite. Poststempel: 18.3.1902

Köln-Ehrenfeld, Bahnhof. Poststempel: 21.7.1902

Köln a/Rh., Volksgarten. Poststempel: 9.3.1903

Erzbischof von Köln Ant. Hub. Fischer, inthronisiert 19. März 1903. Poststemepl: 19.3.1903

Kölnische Volkszeitung. Poststempel: 23.4.1903
(11/01/06)