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  | Erinnerung an die traditionsreiche Schmiede Muhr in Pulheim |
Der nördliche Teil der Christianstraße in Pulheim endet heute in einem Wendehammer an der Farehamstraße, zwischen der Parkhausauffahrt des Kaulfland-Marktes und dem Schlecker-Markt. Bis zu ihrem Abriss im September 1985 stand hier – seit den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts – die Werkstatt der alten Schmiede Muhr, die allerdings zehn Jahre zuvor ihren Betrieb eingestellt hatte.
 Pulheim, Auf dem Driesch (in Richtung Sinnersdorf), 1956; links die Schmiede Muhr
Bis in die 1950er Jahre war Pulheim noch landwirtschaftlich geprägt, wenn auch die Nähe zum Kölner Industriegürtel und die gute Verkehrsanbindung durch die Eisenbahn bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts zur Ansiedlung von Industriearbeitern geführt hatte.
 Hermann und Peter Muhr ziehen einen Karrenreifen neu auf; Foto 1948
Stellmacher und Schmied waren die wichtigsten Handwerksberufe in einem Bauerndorf, zuständig für den Bau und die Reparatur fast aller bäuerlichen Fahrzeuge und Gerätschaften. Ihre Unentbehrlichkeit im Gefüge der bäuerlichen Wirtschaft führte zur Herausbildung von Handwerksdynastien, die über mehrere Generationen hinweg das Handwerk der Vorfahren weiterführten. Die Familie Muhr war eine solche für Pulheim entscheidende Schmiededynastie, die erst mit dem Schmiedemeister Peter Muhr um 1975 ihr Ende fand, der sich auf der Pulheimer Feuerwache eine neue berufliche Existenz aufbaute. Aus seiner reichen Sammlung stammen alle Fotos und Unterlagen dieses Beitrags. Dienstleistungen der Schmiede, wie das Beschlagen eines Pferdes, das neue Aufziehen eines Eisenreifens auf ein Karrenrad, die Reparatur eines Pfluges usw., wurden nicht einzeln bezahlt, sondern zunächst in einem Anschreibbuch festgehalten. In größeren Zeitintervallen wurde dann abgerechnet. Mehrere solcher Anschreibbücher der Schmiede Muhr sind erhalten, das älteste wurde 1825 von der „Witwe Joachim Mohr“, der damaligen Inhaberin, angelegt: „Einschreib-Buch verfertigter Schmiede-Arbeit für Witwe Joachim Mohr in Poulheim 1825“.

Am Kopf der einzelnen Seiten wird der Name des Kunden aufgeführt, darunter werden die ausgeführten Arbeiten aufgelistet und die Preise in den Währungseinheiten „Gulden“ und „Albus“ angegeben. Die abgebildete Seite für den Kunden „Heinrich Gehlen“ macht es deutlich.

Wer die alte Schrift lesen und vor allem sich in den alten bäuerlichen Fachausdrücken auskennt, kann sich einen Eindruck vom damaligen Leben in Pulheim verschaffen. Am unteren Rand wird die Abrechnung und korrekte Bezahlung quittiert: „Richtig erhalten mit 6 Rhr [Reichstaler] und 52 Stbr [Stüber] 1825 den 28ten December“. Warum bei den Einzeleintragungen andere Währungseinheiten als bei der Endabrechnung verwendet werden, ist unklar. Rätsel gibt zunächst die Strichliste am unteren Seitenrand auf, die sich ähnlich auf allen anderen Seiten findet. Man wird aber davon ausgehen können, dass es sich hierbei um das Beschlagen von Zugtieren (Pferde, Ochsen) handelt, das zu den häufigsten und sich immer wieder wiederholenden Dienstleistungen des Hufschmieds gehörte. In der Strichliste wird zwischen einfachen Strichen und pyramidenförmigen kleinen Häkchen unterschieden. Dass es hier um den Unterschied geht zwischen dem erneuten Befestigen eines verlorenen Hufeisens und der Lieferung eines neuen Eisens handelt, scheint plausibel. Für das Jahr 1825 gibt es unterschiedlich lange Eintragungen für folgende Kunden:
Heinrich Gehlen Peter Mohr Wilhelm Weiler Witwe Weylers Johann Giesenkirchen (3 Seiten) Herr Jungen (9 Seiten) Arnold Tilz Philipp Decker Heinrich Blomacher Witwe Freyburg Peter Schmitz Erben Kirsch Heinrich Befgen Wilhelm Giesenkirchen (2 Seiten) Herman Büth (1 1/2 Seiten) Johann Herger Johann Gumpertz Mathias Keller Joachim Köppen Herman Peyer Christian Däcker, Cristian Decker (2 Seiten) Adolf Steins (2 Seiten) Wilhelm Esser Heinrich Fasbender Leonard Düster Heinrich Keller Cristian Dextoris
Diese Namen repräsentieren wohl im Wesentlichen die wichtigsten Bauernfamilien im damaligen Pulheim. Viele der Namen sind bis heute in Pulheim geläufig, wenn sie hier auch teilweise in verfremdeter Rechtschreibung erscheinen: statt „Päffgen“ heißt es z. B. „Befgen“, und Christian Decker erscheint sowohl als „Christian Däcker“ wie als „Cristian Decker“. Bei den meisten Kunden umfassen die Eintragungen eine Seite, bei einigen aber auch mehrere. Daraus lassen sich Rückschlüsse ableiten über die Größe des jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebes. Völlig aus dem Rahmen fällt der „Herr Jungen“, für den man sage und schreibe neun Seiten braucht und der als Einziger auch nicht mit dem Vornamen aufgeführt ist, sondern mit dem Titel „Herr“. Es dürfte sich um Heinrich Jungen handeln, der Ende 1812 den ehemaligen Fronhof des Stifts St. Georg von der französischen Domänenverwaltung mit 66.000 Francs ersteigert hatte. Dieser ehemalige Fronhof lag westlich der katholischen Pfarrkirche in dem Karree zwischen Hackenbroicher Straße, Paul-Decker-Platz, Venloer Straße und Blumenstraße. Es war damals das mit Abstand größte landwirtschaftliche Gut in Pulheim. Die Eintragungen in dem „Einschreib-Buch“ reichen bis 1831. Zwischen den Blättern dieses Jahres findet sich der folgende Zettel:

Transkription: „Zur Vertilgung der Wänse [= Wanzen] kann dem zu Poulheim wohnenden Heinrich Muhr Arsenikum verabreicht werden. Geyen den 11ten October 1831 Der Bürgermeister von Poulheim D. Hartzheim“
Daniel Hartzheim von der Junkerburg in Geyen war von 1824 bis 1840 Bürgermeister der Bürgermeisterei Poulheim. Er stellt hier eine Sondergenehmigung für den Bezug des hochgiftigen „Arsenikums“ aus, das im Mittelalter als Heilmittel eingesetzt worden war, seit dem 15. Jahrhundert in den deutschen Territorialstaaten jedoch verboten war. Der vorliegende Zettel belegt jedoch, dass es noch im 19. Jahrhundert zur Bekämpfung von Ungeziefer, hier von Wanzen, eingesetzt wurde.
Eine abschließende Bemerkung sei erlaubt: Zur Geschichte der Schmiede Muhr in Pulheim liegen erfreulich viele Unterlagen vor. Für die Pulheimer Ortsgeschichte wäre es ein großer Gewinn, wenn sich ein Heimatforscher dieses Themas annähme.
JW
(10/07/08)
  | Neue Fotos von der Glockenweihe 1953 in Stommeln |
Wie überall waren auch in Stommeln 1942 die Glocken aus dem Turm der Pfarrkirche St. Martinus geholt worden, um sie zu Kanonen umzugießen. Nur die historisch wertvolle Marienglocke von 1673 blieb verschont. 1953 konnte die Pfarrgemeinde dank der großzügig eingehenden Spenden von Gemeindemitgliedern drei neue Glocken in einer Glockengießerei in Gescher in Auftrag gegeben werden. Ihre Ankunft und Weihe in Stommeln und einige Tage später ihre Aufhängung im Turm waren große Ereignisse im Ort. Nun sind in der Sammlung von Peter Muhr in Pulheim Aufnahmen von Tag der Ankunft und Weihe der Glocken in Stommeln aufgetaucht, die bisher unbekannt waren. Der Vater von Peter Muhr, Schmiedemeister in Pulheim und passionierter Fotograf, hat sie seinerzeit aufgenommen. Als Standort hatte er den heutigen Josef-Gladbach-Platz gewählt. Alle sechs Fotos sind hier entstanden. Interessant sind sie nicht nur wegen der Glocken und des aufschlussreichen Zeitkolorits, sondern auch wegen der damaligen Bebauung dieses Josef-Gladbach-Platzes vom heutigen Schlecker-Markt aus bis zur Einmündung des Kattenbergs. Alte Stommelner werden sich an früher erinnern, Neubürger aber können sich auf die Spurensuche für die heutige Bebauung dieses Geschäfts- und Häuserzeile zu begeben und nachforschen, wie sich das Gesicht der durchweg noch erhaltenen Gebäude grundlegend verändert hat. Wir bilden die Fotos kommentarlos ab.






Seit 1953 hatte Stommelns Pfarrkirche wieder ein Geläut von vier Glocken. 1992 und 2001 kamen noch einmal jeweils vier Glocken hinzu, sodass das Geläut heute acht Glocken umfasst, das bei festlichen Anlässen zur Freude vieler seinen prächtigen vollen Klang entfaltet. Es erlaubt auch das Glockenspiel von vielen bekannten Melodien.
JW
(10/07/08)
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