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Juli 2010

Die für Stommeln geforderten Stolpersteine gibt es bereits – in Köln

Stolpersteine für in der NS-Zeit ermordete Juden aus Stommeln: diese Forderung beschäftigte vor einigen Wochen den Kulturausschuss und anschließend den Hauptausschuss des Pulheimer Stadtrates. Beide Gremien winkten ab: Bereits 1994 war eine entsprechende Anfrage des Stolperstein-Künstlers Gunter Deming unter Federführung des sozialdemokratischen Kulturdezernenten Dr. Gerd Dornseifer abgewiesen worden; in Stommeln habe man in Form des Synagogenprojektes einen eigenen Weg des Gedenkens an die Naziverbrechen gewählt. Seit 1991 verfolgt die Stadt dieses Projekt mit Beharrlichkeit und internationaler Resonanz.



Stolperstein für Ernst und Lilly Herz in Köln, Neue Maastrichter Straße 3; an gleicher Stelle liegen auch die Stolpersteine für vier ihrer sechs Kinder sowie für die Mutter Henriette Jacobsohn.


Gunter Demnig nennt in der Kölner Zeitung Express (8.6.2010) die ablehnende Haltung des Pulheimer Kulturausschusses „Schwachsinn“. Er möchte gerne für die ermordeten jüdischen Stommelner Stolpersteine verlegen. Dabei scheint er sich nicht mehr daran zu erinnern, dass er längst in Köln für die meisten hier in Frage kommenden Personen Stolpersteine verlegt hat, insbesondere auch für die, deren Namen am meisten genannt werden: für das Ehepaar Ernst und Lilly Herz und deren Kinder Alfred, Johanna, Walter und Jona sowie die Großmutter Henriette Jacobsohn vor dem Haus Neue Maastrichter Straße 3; für Anna Katz und ihre Tochter Hella und ihre Nichte Ilse Moses vor Haus Lochnerstraße 12-14. Dass Demnig sind nicht mehr seiner eigenen Gedenkzeichen erinnert, irritiert.



Stolperstein für die zwölfjährige Ilse Moses in Köln, Neue Maastrichter Straße 3


Vor allem für Ilse Moses forderte man in Stommeln einen Stolperstein, und zwar vor dem Haus Nettegasse 1, aus dem sie stammt. Die Lebensgeschichte dieses behinderten Kindes ist in der Tat erschütternd. Die Eltern, die 1937 mit ihrem Sohn Herbert in die USA flohen, mussten das kranke Kind zurücklassen, weil sie keine Einreiseerlaubnis für es bekamen. Sie brachten es im katholischen Franz-Sales-Haus in Essen-Stehle unter der Obhut von Ordensschwestern unter und hofften, es nachholen zu können. Aber dazu kam es nicht. Ilses verwitwete Tante Anna Katz geb. Moses in Köln, Lochnerstraße 12-14, die selbst aus Stommeln stammte, holte sie zu sich, wurde dann aber mit ihrer eigenen Tochter Hella im Oktober 1941 nach Lodz deportiert, wo beide umkamen. Ilse Moses, ein zwölf Jahre altes Kind, blieb völlig verlassen zurück. Zuletzt wohnte sie in dem „Judenhaus“ Kurfürstenstraße 18; hier mag eine gute Seele sich ihrer in den letzten Wochen in Köln angenommen haben. Am 7. Dezember 1941 wurde Ilse Moses nach Riga deportiert, wo sie unter schlimmen Umständen umkam. Alles das hat Josef Wißkirchen bereits 1987 in dem Buch „Juden in Stommeln“ (Teil 1, S. 182-185) ausführlich dargelegt.
Umso mehr überrascht, mit wie wenig Sorgfalt die Inschrift des Stolpersteins für Ilse Moses erarbeitet worden ist. Seltsamerweise wird von dem zwölfjährigen Kind behauptet, sein Geburtsname sei „Moore“. Diese angesichts des kindlichen Alters absurde Information geht darauf zurück, dass die 1937 in die USA geflohenen Eltern ihren Familiennamen „Moses“ in „Moore“ geändert haben. Als Deportationsziel wird “Lodz“ angegeben, in Wahrheit war es Riga.
Gunter Demnig hatte sich zum Prinzip gemacht, Stolpersteine vor dem letzten Wohnhaus einer deportierten Person zu verlegen. Dass er – in Zusammenarbeit mit den damaligen Stiftern – sich für das Haus Lochnerstraße 12-14, und nicht für das „Judenhaus“ Kurfürstenstraße 18 entschieden hat, ist nachvollziehbar. Ein Stein vor dem Haus Nettegasse 1 in Stommeln ist mit diesem Grundsatz aber nicht vereinbar. Möglicherweise hat Gunter Demnig ihn inzwischen fallengelassen. Diese Aufgabe klarer Kriterien macht es aber nicht sinnvoller, für Ilse Moses an zwei verschiedenen Orten Stolpersteine zu verlegen.


JW



(7/17/10)

Kinder zeigen die Abteikirche

Kindern die Bauwerke ihrer Heimat zu zeigen ist eine schöne und eine wichtige Aufgabe. Vor zehn Jahren hat deshalb der Verein für Geschichte einen Kirchenführer für Kinder zur Brauweiler Abteikirche, verfasst von Annegret Schreiner, herausgebracht. Er erscheint in diesen Tagen in zweiter Auflage.




Annegret Schreiner
St. Nikolaus und St. Medardus in Brauweiler
Kirchenführer für Kinder

ISBN 978-3-927765-29-0, 32 Seiten, zahlr. farbige Abb., 2,50 €


Annegret Schreiner, die lange Jahre in Pulheim als Grundschullehrerin gearbeitet hat, trifft den richtigen Ton, um die jungen Leser anzusprechen. Und sie greift auch zum Aquarellpinsel und reichert das Buch mit kindgerechten Illustrationen an: Ein Kinderpaar, ein Junge und ein Mädchen, begleiten den Leser durch die Broschüre, sie übernehmen gleichsam die Kirchenführung und zeigen, was ihnen wichtig erscheint.
Es ist ein Lese- und ein Bilderbuch zugleich. Kinder werden darin lesen, blättern und schauen und auf Entdeckungsreise gehen. Noch intensiver wird diese Entdeckungsreise sein, wenn die Eltern oder Großeltern daran teilnehmen. Und die Erwachsenen werden dabei auch belohnt werden, denn Kinderaugen sehen oft mehr als ihre. Kinder interessieren sich für Details, und in den vorzüglichen Farbillustrationen können sie manches entdecken, was das Erwachsenenauge, konzentriert auf das Gesamtgefüge, übersieht. Aus den Details ergeben sich aber oft ganz neue Einsichten in Zusammenhänge.
So kann denn die kleine Schrift für beide Ausgangspunkt einer Entdeckungsreise werden: für Kinder und Erwachsene.


JW

(7/01/10)

Brauweiler: Erinnerung an die alten Mauern um Kloster und Arbeitsanstalt

Für die Menschen des Mittelalters war der Raum eines Klosters ein locus sanctus, ein geheiligter Ort, umgeben von einer Mauer. Man nannte sie „Immunitätsmauer“, weil für den von ihr eingefriedeten klösterlichen Raum die immunitas ecclesiastica, d. h. die kirchliche Freiheit von weltlichen Lasten (Abgaben, Steuern) und von Eingriffen der weltlichen Gewalt galt. Hier galt die eigene Immunitätsgerichtsbarkeit des Klosters, und es übte diese mit Hilfe des von ihm bestellten Vogtes aus.
Das mittelalterliche Rechtsinstitut des Kirchenasyls hat hier seinen Ursprung. Auch heute noch greifen kirchliche Gruppen darauf zurück, wenn sie Menschen, die in Bedrängnis geraten sind, insbesondere Flüchtlingen, in kirchlichen Räumen Schutz bieten vor staatlichem Zugriff. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es zwar heute nicht mehr, aber die nach wie vor bestehende “reverentia loci“, die Achtung und Ehrfurcht vor dem heiligen Orte, sichert vielfach doch eine Respektierung dieser „Asylgewährung“.



Durch das „Feldtor“ betrat man von Osten her die ummauerten Klosterbezirk


Als seit dem 19. Jahrhundert die inzwischen säkularisierten Brauweiler Klostergebäude eine Arbeitsanstalt der Rheinprovinz beherbergten, bekamen die Klostermauern eine neue Funktion, nämlich die der sicheren Verwahrung der Insassen. Ein Foto aus kriegerischer Zeit (1941) mit einer durch die Mathildenstraße einmarschierenden Ehrenkompanie der Wehrmacht zeigt die geradezu festungsartige Höhe dieser Mauer an der Ecke Ehrenfriedstraße / Mathildenstraße.



Blick von der Ecke Ehrenfriedstr. / Bernhardstr. / Mathildenstr. auf die Mauern der Arbeitsanstalt; Foto 1941


Das Foto lässt spontan nachvollziehen, warum die Arbeitsanstalt mit der Assoziation „Gefängnis“ verbunden war - ein Ort der Abschreckung, mit dem man möglichst nicht zu tun haben wollte.
Heute existiert diese Mauer nicht mehr. Sie wurde abgetragen und eine neue, niedrige Begrenzungsmauer errichtet, und zwar ein Stück weit zurückversetzt, um eine Verbreiterung der Straße zu ermöglichen.



In der Höhe reduzierte Immunitätsmauer im heutigen Abteipark


Im Bereich des Abteiparks findet man noch Reste der alten Immunitätsmauer, allerdings auf eine niedrige Höhe reduziert. Lediglich in der Nordostecke und entlang der Von-Werth-Straße, hinter dichtem Gebüsch verborgen, ahnt der Abteiparkbesucher noch etwas von der ursprünglichen Höhe.



Alte Immunitätsmauer an der Nordseite des Parks



Blick von der Von-Werth-Straße auf die alte Immunitätsmauer


Schaut man von der Von-Werth-Straße auf diese Mauer, dann ist sie fast vollständig von Efeu zugewuchert. Lediglich der runde Turm an der Nordostecke der Mauereinfriedung zeigt sein laubfreies Backsteinmauerwerk und lässt die Mächtigkeit der alten Klostermauern erahnen.


JW

(7/01/10)


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