Buchbesprechungen
[Buchbesprechungen]
Peter Schreiner: Die Geschichte der Abtei Brauweiler bei Köln 1024-1802
Exkurs: Benediktinisches Leben heute, von Franziskus Berzdorf OSB
Kohlezeichnungen, Kreidezeichnungen und Holzschnitte: Heinz Binsfeld
21. Sonderveröffentlichung des Vereins für Geschichte und Heimatkunde, Pulheim 2001
ISBN 3-927765-27-9, XVII + 494 Seiten, 479 Abb. davon 174 in Farbe, 16,00 EUR
Pulheimer Stadtblatt, 17.3.2001
Umfassendes Werk über 788 Jahre Abtei-Geschichte wird vorgestellt
Einblicke in das Klosterleben vor den Toren Kölns
Mehr als acht Jahre hat es gedauert bis von der ersten Idee bis zur Realisation das erste umfassende Werk des Vereins für Geschichte und Heimatkunde über die Abtei Brauweiler erscheinen konnte. Acht Jahre der mühsamen Zusammentragung verloren geglaubter Quellen und Dokumente aus 778 Jahren. Doch die stete Mühe um lückenlose Aufklärung über die Geschichte des Klosters hat sich jetzt endlich gelohnt.
Am Dienstag, 20. März, um 20 Uhr stellt der Geschichtsverein, vertreten durch seinen Vorsitzenden und Herausgeber Peter Schreiner, seine 21. Sonderveröffentlichung im Kaisersaal der Abtei Brauweiler der Allgemeinheit vor. Sie kann sich rühmen, die erste umfassende Gesamtdarstellung unter Berücksichtigung des neuesten Forschungsstandes der wechselvollen Geschichte des Klosters zu sein. So stützt sie sich beispielsweise auf erst jüngst wiedergefundene Quellen und kaum beachtete Akten aus den letzten Jahren der Abtei vor der Säkularisation und über den Vorgang der Aufhebung des Klosters selbst. Dadurch ist es gelungen, einen Einblick zu geben in die Klosterkultur des 18. Jahrhunderts und in das klösterliche Leben zur Zeit der französischen Herrschaft am Rhein.
Darüber hinaus verfügt das Buch über ein ausführliches Verzeichnis der Quellen und Literatur sowie über ein Glossar der Fachbegriffe. Das 512 Seiten starke Werk enthält 479 Abbildungen, zum Teil in Farbe. Darunter auch Illustrationen des Malers Heinz Binsfeld.
Binsfeld hat zur Illustration bestimmter Ereignisse aus der rund 780-jährigen Geschichte der Abtei insgesamt 20 Kohle- und Kreidezeichnungen sowie Holzschnitte gefertigt. Die großformatigen Originale dazu werden in einer Ausstellung, die vom 21. März bis 22. April andauert, ebenfalls vorgestellt. Die Ausstellungseröffnung ist zeitgleich mit der Buchvorstellung am 20. März.
vmo)
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Kölner Stadt-Anzeiger, 22.3.2001
Die Mönche verstanden sich aufs Geschäft
Peter Schreiner schildert in seinem Buch die Geschichte der Abtei Brauweiler
Es hat in der jüngsten Vergangenheit nicht an Einzelveröffentlichungen über die Abtei Brauweiler und ihre unterschiedlichen Bewohner gemangelt. Es fehlte jedoch eine umfassende Gesamtgeschichte dieser bedeutenden ehemaligen rheinischen Benediktiner-Abtei. Die Baugeschichte hatte im Jahre 1937 bereits Professor Dr. Walter Bader publiziert. Bader war es auch, der im April 1983 den Vorsitzenden des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Peter Schreiner ermunterte, die Klostergeschichte zu erforschen und zu publizieren.
Bader damals zu Schreiner: Wenn Sie es wollen, schaffen Sie es. Also wollen Sie es!" Schreiner wollte. Damals ahnte er noch nicht, welches Arbeits- und Forschungspensum er zu bewältigen hatte. Acht Jahre benötigte er für seine Recherchen, für das Schreiben und die von ihm ebenfalls übernommenen technischen Arbeiten. Aus der ursprünglich geplanten kleinen Abteigeschichte wurde ein Standardwerk, das schon bei der Vorstellung höchstes Lob erfuhr.
Zur Vorstellung des Buches waren mehr als 200 Gäste in den Kaisersaal der Abtei gekommen. Schreiner legte eine 494 Seiten starke, hervorragend illustrierte Gesamtdarstellung der fast 800jährigen Geschichte dieses Klosters vor. Dabei spürte er bisher kaum beachtetes umfangreiches Quellenmaterial aus der Zeit vor der Aufhebung des Klosters sowie über die Säkularisation selbst auf. Bürgermeister Dr. Karl August Morisse: Schreiner ist von der Abtei fasziniert."
Auch der Alltag der Mönche wird vermittelt, ebenso die Geschichte der Menschen in den zur Abtei gehörenden Territorien. So berichtet Schreiner beispielsweise, wie geschäftstüchtig die Mönche im späten 15. Jahrhundert wurden. Eine Missernte zu Beginn der 90er Jahre hatte zur Folge, dass die Preise um rund die Hälfte stiegen. Abt Adam Il. hatte offenbar größere Getreidevorräte, die er nun auf dem Markt zu Höchstpreisen verkaufen konnte", schreibt Schreiner. Den Gewinn investierten die Klosterbrüder in ein Brauhaus, so dass sie Bier in großen Mengen verkaufen konnten. Die Mönche eröffneten auch einen Weinausschank, in dem sie Wein von den Klostergütern an der Mosel verkauften. Sie hatten schnell herausgefunden, dass der Detailverkauf mehr einbrachte als der Großhandel. Die Besserung der finanziellen Lage des Klosters schrieb man dem Patron, dem Heiligen Nikolaus, zu. Ihm zu Ehren ließen die Gottesleute eine Holzplastik fertigen.
Das klösterliche Leben und die Klosterkultur im Rheinland werden auch für den Nichthistoriker verständlich und spannend dargestellt. Das würdigte der Benediktinerpater Franziskus Berzdorf aus der Abtei Maria Laach, der in einem gesonderten Beitrag über das moderne benediktinische Klosterleben informiert.
Ein Buch ohne Bilder ist wie eine Suppe ohne Salz", sagte Schreiner. Mit 479 Abbildungen, davon 174 in Farbe, Karten und Graphiken lässt die Illustration kaum einen Wunsch offen. Wo das historische Bildmaterial fehlte, steuerte der in Dansweiler lebende Künstler Heinz Binsfeld Kohle- und Kreidezeichnungen sowie Holzschnitte bei. Arbeiten von ihm sind noch bis zum 22. April in der Abtei (jeweils nachmittags) zu besichtigen.
Bemerkenswert sind auch die Beiträge im Anhang: Brauweiler in Sage und Legende", Brauweiler Geschichtsquellen, Die Herrlichkeit Brauweiler im Jahre 1670", ein Bericht der Brauweiler Mönche vom 4. Februar 1795 über die Zerstörungen in der Abtei, die Äbte von Brauweiler und ihre Gräber. Hinzu kommt eine Zeittafel, eine Erläuterung der wichtigsten Fachbegriffe und ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis.
Helmut Weingarten
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Rheinische Heimatpflege 4/2001
Brauweiler
Abteigeschichte
Der Komplex der ehemaligen Benediktinerabtei in Brauweiler bei Köln zählt zu den wenigen noch erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Westdeutschland. Hervorgegangen aus einer Stiftung der lothringischen Pfalzgrafenfamilie im 11. Jh., war das Kloster rund 780 Jahre lang ein geistiger und kulturell-religiöser Mittelpunkt im westlichen Kölner Umland. Mit diesem Buch von Peter Schreiner, Die Geschichte der Abtei Brauweiler bei Köln 1024-1802", ist erstmals eine umfassende Darstellung der Gesamtgeschichte der Abtei auf dem Stand der derzeitigen Forschung und unter Bezug auf die rheinischen Geschichte bzw. die Reichsgeschichte erschienen.
Bisher kaum beachtetes umfangreiches Quellenmaterial aus den letzten Jahren der Abtei vor ihrer Aufhebung sowie über die Säkularisation des Klosters selbst wurde für diese Veröffentlichung erstmals vollständig ausgewertet. Der Leser erhält am Beispiel der Abtei Brauweiler einen anschaulichen Einblick in die Klosterkultur des späten 18. Jh. im Rheinland, in Einzelheiten des klösterlichen Lebens sowie des Klosterhaushalts vor und während der Zeit der französischen Herrschaft am Rhein sowie in die Vorgänge bei der Säkularisation der rheinischen Klöster und Stifte im Sommer 1802. Einige Quellen erweisen sich zusätzlich als rheinische Sprachdokumente. Sie geben Auskunft über die Alltagssprache der Mönche gegen Ende des 18. Jh. Ein ausführliches Verzeichnis der Quellen und Literatur befinden sich am Ende des Buches. Alle Fachbegriffe werden in einem Glossar erläutert.